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Offene Sprechstunde bei Dr. Hahnemann

Der Marktplatz ist der historische Kern und bis heute das Herz der Stadt. Über den Platz verlief eine der wichtigsten Handelsrouten des Mittelalters zwischen Rhein und Elbe. Die Marktrechte erhielt Königslutter in der Zeit um 1300.

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Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts. Sie denken, das sei eine Binsenweisheit? Da mögen Sie recht haben, und dennoch ist sie wahr. Wer weiß das besser als ich? Verzeihung, ich sollte mich Ihnen vorstellen: Samuel  Hahnemann ist mein Name, ich bin Doktor der Medizin und, ohne allzu unbescheiden zu klingen, auf meinem Gebiet eine Kapazität, ja, tatsächlich eine Berühmtheit, und zwar spätestens seit meinem Aufsatz, den ich in Hufelands Journal der practischen Arzneykunde, veröffentlicht habe. Das war im Jahre meines Umzugs in diese kleine liebenswerte Stadt, 1796. Mein Prinzip ist es, medizinisch wirksame Substanzen in einer solch verdünnten Dosis zu verabreichen, dass die Nebenwirkungen völlig ausbleiben. Ich denke, ich sollte dieses Prinzip „Homöopathie“ nennen! Außerdem habe ich festgestellt, dass das Schütteln der verdünnten Mixtur ihre Wirksamkeit um ein Wesentliches potenziert! Kein Wunder also, dass die Leute lieber zu mir kommen als zu all den anderen Quacksalbern, die noch immer kaum ein anderes Mittel kennen als Aderlass und Abführmittel!

Mein Haus ist übrigens das ehemalige Mönchshaus vor der Stadtkirche. Ein hübsches, bequemes und auch sonst sehr vorteilhaftes Haus für mich und meine große Familie. Der Eingang am Markplatz ist mit edlen Pilastern und einem römischen Gebälk geschmückt. Wenn man als Fremder in die Stadt kommt, möchte man fast meinen, dies sei das Rathaus und nicht das benachbarte Gebäude am Kopf des Platzes. Nun ja, vielleicht wird es das ja eines Tages noch.

Tatsächlich hat man von hier aus einen wirklich köstlichen Ausblick und kann das bunte Treiben auf dem Marktplatz mit seinen vielen schmucken Häusern beobachten, zumal an einem solchen Tag wie diesem. Denn heute ist in Königslutter wieder Jahrmarkt, wie er seit alters her Ende des Monats Juni, zum Peter- und Paulstag abgehalten wird.  Das machte besonders in früheren Zeiten Sinn, als viele Pilger zum Festtag der Patronatsheiligen des Domes in der Stadt gewesen sind. Nach dem Ausbleiben der Pilgerströme infolge der Reformation, hat man aber die Tradition dieses Marktes einfach beibehalten.

Ja, der Marktplatz von Königslutter, das Herz der Stadt. Schon vor hunderten von Jahren hielt man hier Märkte ab, lag die Stadt doch direkt am Handelsweg, der das Rheinland mit dem Elbgebiet verband. Fernkaufleute boten ihre Waren feil, aber auch die Bauern aus der Umgebung. Das Nordtor der Stadtbefestigung wurde immer schon Kuh-, Bullen- oder Schweinetor genannt. All das Viehzeug, das durch dieses Tor getrieben wird, landete natürlich auch auf dem Markt!

Aber wo so viel Leben ist und so viele Menschen beieinander sind, gibt es, wen wundert's, auch den einen oder anderen Tunichtgut. Mitten auf dem Marktplatz steht deshalb der Pranger, der in den Zeiten, als der Platz noch nicht gepflastert war, auf einer kleinen Anhöhe, dem sog.  Lindenberg, stand. Früher ist hier sogar scharf Gericht gesprochen worden, doch die Zeit der öffentlichen Hinrichtungen ist, Gott sei Dank, vorbei. Ja, so brechen sich die zivilisatorischen Errungenschaften langsam ihre Bahn, woran ich aus tiefster Überzeugung Anteil haben möchte.

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