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Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes,
Welcher so weit geirrt, nach der heiligen Troja Zerstörung,
Vieler Menschen Städte gesehn, und Sitte gelernt hat,
Und auf dem Meere so viel' unnennbare Leiden erduldet.

Das sind die ersten vier von insgesamt 12200 Versen, die zur Odyssee gehören, der uralten Sage, die erzählt, wie Odysseus nach dem Untergang Trojas 10 Jahre lang umherirren muss, bis er zuletzt wieder heimkehren darf. Zusammen mit der Ilias gilt die Odyssee als Werk des genialen Dichters Homer, der mit seiner Bildsprache die gesamte griechisch-römische Kultur und damit die Kultur Europas geprägt hat.
Während des 18. Jahrhunderts bricht sich eine neue Begeisterung für die Antike ihre Bahn. In Kunst und Architektur bedient man sich gern am Stil der klassischen Antike, weshalb diese Kunstepoche auch „Klassizismus“ genannt wird. Und auch in der Literatur wendet man sich mit Eifer den antiken Klassikern zu.
Einer der einflussreichsten Gelehrten dieser Bewegung ist Johann Heinrich Voß. Er ist nicht nur Philologe und deshalb mit den alten Sprachen vertraut, sondern auch ein hochtalentierter Dichter, gesegnet mit ausgeprägtem Sprachempfinden. Dem Werk Homers gilt seine besondere Leidenschaft, deshalb schafft er eine Übersetzung der altgriechischen Epen ins Deutsche, nein viel mehr als eine Übersetzung, eine kongeniale Übertragung, die dem dramatischen wie lyrischen Charakter der Vorlage voll gerecht wird. Später übersetzt er auch Shakespeare und bringt die erste deutsche Ausgabe der „Märchen aus 1001 Nacht“ heraus.
Selbst der Dichterfürst Goethe ist tief beeindruckt. Gegenüber seinem Freund Eckermann hat er verlauten lassen: „Ein Mann wie Voß wird übrigens so schnell nicht wiederkommen. Es haben wenig andere auf die höhere deutsche Kultur einen solchen Einfluss gehabt wie er!“
Johann Heinrich Voß kommt 1778 als Rektor der Lateinschule nach Otterndorf, da er seiner Schwiegermutter versprochen hat, einem „Brotberuf“ nachzugehen. Voß ist zu dieser Zeit schon Vater von drei Kindern, daher ist der Wunsch nach materieller Sicherheit nur zu gut nachvollziehbar. Der Ort gefällt ihm, auch sein Wohnsitz: „Das Haus liegt sehr bequem, hinten ein schöner schattichter Garten mit einer Laub, woraus ich über die Medem ins Freie hineinsehe.“ Dennoch wird er in Otterndorf nicht langfristig sesshaft. Der Schuldienst mit seinen Anforderungen macht ihn nicht glücklich. Außerdem kranken er und seine Familie bald an dem oft allzu salzigen Trinkwasser und an dem in der feuchten Gegend grassierenden „Marschenfieber“, was nichts anderes als Malaria ist. Nach vier Jahren verlässt der große Geist Otterndorf wieder. Aber bis heute erinnert man sich gern an ihn.

O wie könnte doch ich des edlen Odysseus vergessen?
Sein, des weisesten Mannes…

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