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Postvorsteher Hermann: Guten Tag! Die Post, dein Freund und Helfer! Womit kann ich Ihnen behilflich sein?!

Nun seien Sie mal nicht so schüchtern! Nein, Sie haben sich nicht verlaufen. Dieses hübsche Gebäude aus rotem Backstein im niederländischen Stil mit Turmaufsatz ist  tatsächlich die Kaiserliche Post in Ochtrup! Seit 1904 hat die Stadt ein eigenes Postamt, erbaut von der  Textilfabrik Gebrüder Laurenz und von der Post angemietet, direkt gegenüber vom Rathaus, das auf dem alten Ostwall liegt, einem Teil des niedergelegten alten Stadtwalls.

Ja, da wundern Sie sich, was? Ein so beschaulicher Ort und eine Stadtbefestigung. Aber das hat seine Gründe. Ochtrup hat seit alters her zum Fürstbistum Münster gehört, und zu unseren wichtigsten Grundherrn gehörte lange Zeit eine Dame! Nämlich die Priorin des Klosters Langenhorst, das ungefähr 2 Km südwestlich von hier liegt.  Bei so einer Grundherrschaft kann man sich vorstellen, dass es in Zeiten der Reformation ziemlich unruhig in Ochtrup wurde. Das evangelische Steinfurt lag im Südwesten, das evangelische Bentheim im Norden, da wurden wir zu so etwas wie einem katholischem Sperrriegel. Außerdem wollten sich die Niederländer ihre Unabhängigkeit von den Spaniern erkämpfen. Und da  Ochtrup so nah an der Grenze lag, bekamen wir immer wieder unangenehmen Besuch von spanischen Soldaten. Um diese abzuhalten, gewährte uns der Bischof von Münster im Jahr 1593 endlich, eine Stadtbefestigung zu bauen. Dem folgte wenig später noch eine Rechtsänderung, mit der Ochtrup zum Wigbold aufstieg, einer Stadt minderen Rechts. Fortan hatten wir einen eigenen Bürgermeister und durften einen alljährlichen Markt abhalten. Dennoch wurde aus Ochtrup kein Handels-  oder Verkehrszentrum. Und die meisten Ochtruper lebten weiterhin als Ackerbürger mit ihrem Vieh unter einem Dach. Die einzige bedeutende Verkehrsader verlief südlich der Stadt, der Deventer Hellweg, der die Städte am Ijsselmeer mit Norddeutschland verband. Diese Straße wurde immerhin von Postreitern benutzt. Später fuhr uns sogar eine Postkutsche an - mit weithin schallendem Hornsignal und donnernden Hufen. Die Fahrtgäste nächtigten im Hotel zur Post. Ja, das waren glanzvolle Tage. Es gab nur eines, was den Auftritt einer heranfahrenden Postkutsche noch übertreffen konnte, und das war das Dampfross. 1875 bekam Ochtrup Anschluss an die Eisenbahn und damit an die neue Zeit. Profitiert haben davon die Gebrüder Laurenz und ihre industrielle Textilproduktion, mit der sie schließlich zu großem Wohlstand kamen, der sich auch in der Stadt bemerkbar machte. Die Gebrüder Laurenz bauten zusammen mit der Kirche das Pius Hospital und auch unser schönes Postgebäude, in dem wir hier nun sitzen. So steht nun also alles zum Besten: Unser guter Kaiser regiert uns, das 20. Jhd. und die Moderne liegen vor uns. Was kann da noch schief gehen? So, da haben wir´s! Einen guten Tag noch die Herrschaften! - Der nächste bitte!

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