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Teufel auch! Oder: Eine Frau, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt

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Glauben Sie ja nicht, dass Sie es hier mit einem x-beliebigen Findling zu tun hätten!
Sehen Sie nicht die weitgehend eckige Form, dieses wirklich bemerkenswert großen Steines? Er sieht fast aus... lassen Sie Ihrer Fantasie einfach freien Lauf… ja richtig, er sieht aus, wie ein großes Stück Butter! Nun ja, die Farbe stimmt nicht mehr ganz, aber der Stein hat mittlerweile auch so einige Jahre auf dem Buckel! Übrigens wird eine seltsame Begebenheit erzählt, wie dieses Stück Butter hierherkam und wie es versteinerte. Versetzen wir uns einmal in alte Zeiten. Da trieb hier in der Gegend der Teufel noch sein Unwesen. O, o, da sehen wir ihn schon, ein Herr mit roter Feder am Hut, elegant, aber mit Pferdefuß! Kommen Sie, wir gehen besser in Deckung!

Teufel: Ja, Teufel auch! Habe ich doch für meine Schergen und Helfershelfer ein deftiges Bankett hergerichtet, aber es fehlt einfach noch etwas… Hm, jetzt hab´ ich´s: ein gutes Stück Butter! Wo bekomme ich denn das jetzt noch auf die Schnelle her? A, da vorne läuft eine Bauersfrau! Vielleicht kann die mir helfen! Seid mir gegrüßt, gute Frau!
Bäuerin: Gott zum Gruße, guter Mann!
Teufel:  Na, das fängt ja gut an!
Bäuerin: Wie bitte?
Teufel: Ach nichts! Sagt einmal, Ihr wisst nicht zufällig, wo ich eine gute Portion Butter erstehen kann? Wisst Ihr, ich bin ein fahrender Kaufmann, und möchte meinen Warenbestand ein wenig aufstocken.
Bäuerin: Na, wenn das mal kein Zufall ist! Ich habe ein schönes Stück Butter dabei! Bin gerade auf dem Weg zum Markt nach Osnabrück. Wisst Ihr, meine Kunigunde gibt ja nicht so ewig viel Milch, aber immerhin hilft sie mir über die größten Nöte hinweg!
Teufel: Schön, aber…
Bäuerin: Es ist nicht leicht, wenn man als arme Witwe nur ein kleines Feld mit schlechtem Boden zu bestellen hat.
Teufel: Schlimm, schlimm, doch…
Bäuerin: Aber nun ist es mir wenigstens gelungen, dieses schöne Stück Butter aus der Milch meiner guten Kunigunde zu machen. Seht nur!
Teufel: Nicht schlecht, nicht schlecht, aber ich will vorher kosten, wird man doch allenthalben betrogen, die Welt ist halt schlecht.
Bäuerin: Na, böse ist, wer Böses denkt, aber meinetwegen kostet.
Teufel: So, eine Ecke mit dem Messer. Hm, hm, hm, nicht schlecht, aber auch nicht gut. Ob ich bei den Kunden dafür wirklich meinen Preis bekomme?
Bäuerin: Das ist erstklassige Ware! Ihr wollt mich über den Tisch ziehen!
Teufel: Im Ernst, was habt Ihr denn da noch hineingekleistert, damit Ihr das Gewicht bekommt?
Bäuerin: Das ist ja wohl die Höhe! Ihr seid ein Betrüger! Pfui Teufel!
Teufel: Ja, bitte?
Bäuerin: Ich will Euch lehren, ehrliche Leute über den Löffel zu barbieren, und zwar mit dem Stock! Da, nehmt dies! Und dies und dies…
Teufel: Autsch! He, haltet ein! Autsch! Na, nun reicht´s mir aber! Zum Teufel mit Dir, Bäuerin! Zu Stein sollst Du werden! Samt Deiner Butter!
Bäuerin: Aaa!

Verlassen wir diese wahrhaft diabolische Szenerie und kehren zurück in unsere Zeit.
Nun also wissen Sie, geschätzter Zuhörer, wie dieser Stein hierhergekommen ist: der sagenhafte Butterstein.

A Rolling Stone! Oder: Ein Skandinavier auf Wanderschaft

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Wie schrieb Bob Dylan: „How does it feel, to be on your own, like a rolling stone“? Der Butterstein bei Belm ist im wahrsten Sinne des Wortes so ein „Rolling Stone“, ein rollender Stein, allerdings ist er nicht der im Song beschriebene Einzelgänger, sondern tatsächlich einer von vielen, wenn auch ein besonders stattliches Exemplar.

Eingebettet in einen sanft hügeligen Ausläufer des Wiehengebirges befindet sich zwischen Belm und Vehrte eine flache, waldbewachsene Erhebung: Der Gattberg, auch als Naturschutzgebiet „Steinernes Meer“ bekannt. Der Name rührt von unzähligen Findlingen her, die zum Ende der vorletzten Kaltzeit, der Saale-Kaltzeit, hier zurückgelassen wurden.

Reisen wir doch einmal 160000 Jahre in die Vergangenheit zurück. (böiges Windrauschen) Hu! Ungemütlich ist es hier! Die Temperaturen liegen bei mindestens 10 Grad minus, eisiger Wind fegt uns um die Ohren. Das Wiehengebirge ist gar nicht erkennbar, denn es liegt unter einem dicken Eispanzer! Zu unseren Füßen befindet sich ein mächtiger Gletscher, der sich ganze 300m auftürmt! Er hat sich über Jahrtausende hinweg von Skandinavien aus Richtung Süden vorgeschoben, bis in unsere Breiten. Dabei hat er massenhaft Sand und Gesteinsmaterial mit sich gebracht. Aber nicht nur das: Während er sich von Norden her immer weiter vorwärtsschiebt, schmilzt er an seinen Rändern beständig wieder ab, sodass der Gletscher wie ein Fließband fungiert, das ununterbrochen Sand und Geröll mit sich schleppt und schließlich an seiner vordersten Kante ablegt. Bewegt sich dabei der Gletscher genauso schnell vorwärts, wie er an seine Rändern abschmilzt, verharrt die Kante der Gletscherzunge über längere Zeit an einem Ort. Während dieses scheinbaren Stillstandes häuft der Gletscher hier mit der Zeit immer mehr Material an. Es entsteht eine sogenannte Endmoräne, eine beachtliche Anhäufung von Ton, Sand, Steinen und Felsen. Als die Saale-Kaltzeit langsam ihrem Ende entgegegenschritt, zog sich der Gletscher zurück und ließ die Endmoräne als Überformung der Landschaft zurück. Die Endmoräne vor Ort ist heute der Gattberg bzw. das „Steinerne Meer“. Hier finden sich die typischen Sand- und Tonböden, aber auch die charakteristisch rundgeschliffenen Findlinge. Der Gigant unter den hiesigen Findlingen ist der Butterstein. Dieser rund 70 Tonnen schwere Granit zeugt von der enormen Transportkraft des eiszeitlichen Gletschers. Ursprünglich stammt der Butterstein aus Skandinavien. Auf seinem langen Weg hierher wurde er durch die ständige Beanspruchung zu seiner jetzigen Form glattgeschliffen und abgerundet. Das bedeutet aber, dass der Butterstein zu Anfang seiner Reise nicht nur ein gutes Stück kantiger und rauer, sondern auch noch wesentlich größer gewesen sein wird!

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