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Von allen (guten) Geistern verlassen...

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Was wir heute an einem solchen Ort als idyllisch ansehen, empfanden Menschen in früheren Zeiten oftmals als unheimlich. Das Moor war weder Land noch Wasser, ein Ort fließender Übergänge, wo Gespenster hausten oder die Welt der Götter ganz nah war. Wie viele nordwestdeutsche Moore begann das Venner Moor einst als stehendes Gewässer:  ein Stauwassersee als Überbleibsel der eiszeitlichen Gletscher. In diesem See entwickelte sich auf Dauer ein Sauerstoffmangel, der dazu führte, dass abgestorbene Pflanzen nur langsam und unvollständig abgebaut wurden. Aus dem übrigbleibenden Pflanzenmaterial bildete sich Torf, auf dem neue Pflanzen wuchsen, so dass über Jahrtausende aus einem Niedermoor schließlich ein Hochmoor entstand – extrem nass, extrem nährstoffarm und extrem sauer. Die Lebensbedingungen waren nicht nur für Tiere und Pflanzen hart – manche passten sich den besonderen Bedingungen an und wurden zu echten Moorspezialisten – auch Menschen konnten hier lange Zeit nicht siedeln, bestenfalls an den Rändern, wo man den Torf als Brennmaterial stach. Eine planmäßige Erschließung erfolgte im Venner Moor erst in den 1930er Jahren. Mit Hilfe moderner Motorenkraft von Dampfpflügen und Fräsen verwandelte sich die bis dahin unberührte Moorlandschaft in Ackerland. Die in Sichtweite vorbeiführenden Gleise der Moorbahn, die bis heute gestochenen Torf abtransportiert, sind beredete Zeugen dieser Zeit. Wenn Sie sich umsehen, werden Ihnen zudem die sich hier kreuzenden schnurgeraden Wege ins Auge fallen. Sie trennen abgetorfte und mittlerweile wieder renaturierte Flächen voneinander. So findet sich hier im Venner Moor besonders anschaulich der Gegensatz zwischen den monoton anmutenden Abtorfungsflächen und der lebendigen Vielfalt wiedervernässter Renaturierungsbereiche. Jahrzehnte nach Beginn der Wiedervernässung wachsen auf einigen Flächen neben Wollgräsern sogar wieder Torfmoose und Sonnentau. Bereits seit 1981 ist man in Niedersachsen bemüht, einen letzten Rest der einst riesigen Moorgebiete Norddeutschlands für die Nachwelt zu erhalten. Allerdings reicht es dabei nicht, allein durch eine ausreichende Vernässung das Moor erneut zum Leben zu erwecken, sondern eine solche Renaturierung heißt, einen langwierigen natürlichen Vorgang mühsam wiederzubeleben, und das bedeutet Pflege. Die Mühe, ein solches Erbe zu erhalten, lohnt jedoch, und zwar nicht nur, weil sich bei Erfolg die moortypische, spezialisierte Flora und Fauna wieder einfinden, sondern auch, weil die Moore als Kohlenstoffspeicher aktiv zum Schutz unseres Klimas beitragen.

An der Ur-Nordseeküste

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Wasser! Soweit das Auge reicht! Zumindest war das einmal so, vor, zugegeben, ziemlich langer Zeit. Lassen Sie uns zusammen in diese Vergangenheit zurückreisen, etwa 56 Millionen Jahre. Damals erstreckte sich hier ein flaches Meer – die Ur-Nordsee. Die damalige Küstenlinie bildete ein damals schon vorhandenes Gebirge, das auch heute noch hier ganz in der Nähe existiert: das Wiehengebirge. Als sich die Nordsee vor 7 Millionen Jahren schließlich langsam zurückzog, hinterließ sie eine flache Landsenke.

Das nächste Kapitel dieser Geschichte wird zwar weniger nass, dafür aber knackig kalt! Es begann nämlich das Zeitalter der Eiszeiten, die sich mit Warmphasen in Abständen von mehreren tausend Jahren abwechselten. Vor 200.000 Jahren schob die Saale-Eiszeit einen riesigen Gletscher in unsere Region und türmte dabei einen großen Wall aus Geröll und Sedimenten auf, eine riesige Stauchendmoräne. – Und die kann man heute noch gut erkennen, denn das sind die Ankumer Höhen und die Dammer Berge. Auch in dem Bereich, in dem wir uns gerade befinden, hinterließ ein Gletscher seine Spuren, und zwar in Form einer großen Senke. Nach dem Abschmelzen des Eises zum Ende der Saale-Eiszeit hinterließen die Gletscher im Bereich des heutigen Artlandes und hier, in der Senke südöstlich der Dammer Berge, große schmelzwassergefüllte Becken. Aber noch einmal kehrten die eisigen Temperaturen zurück.

Während der letzten Eiszeit, der Weichsel-Eiszeit, wurde unsere Region zwar nicht mehr von Gletschern erreicht, aber die Böden waren dauerhaft gefroren, nahezu vegetationslos und damit schutzlos dem Wind ausgeliefert, der Bodenpartikel auswehte und so das Geländeniveau zusätzlich absenkte.

Mit Beginn der derzeitigen Warmzeit vor 11.700 Jahren schmolz das Eis, so dass hier ein großes Feuchtgebiet mit fünf Seen entstand, durch das sich die Ur-Hunte ihren Weg bahnte. Als es aufgrund der Klimaerwärmung wieder zu mehr Niederschlägen kam, wuchsen die fünf Seen zu einem gewaltigen Binnensee von etwa 150 km² Fläche zusammen, womit der Ur-Dümmer geboren war. Mit dem Rückgang der Niederschläge verlandete der Dümmer in den folgenden Jahrtausenden von den Rändern her und hinterließ auf seiner ehemaligen Fläche ausgedehnte Feuchtgebiete und Niedermoore. Vor gut 4.000 Jahren begann schließlich ein ganz besonderer Vertreter sein stilles, aber beständiges Wirken: das Torfmoos, der Haupttorfbildner im Hochmoor. Es überwucherte die bisherigen Nieder- und Bruchwaldmoore und der Torfkörper wuchs mit den Jahrtausenden stetig in die Höhe. So entstanden die ausgedehnten Hochmoore in unserer Region, zu deren Überresten auch das Venner Moor gehört.

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