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Reiter: Die Emsbrücke vor Telgte ist die einzige, die den Krieg bislang überstanden hat. Ansonsten kann man die Ems nur noch per Fähre oder durch eine Furt passieren. Ich habe davon gehört, dass bei einer Überfahrt per Schiff die Kutsche einer französischen Madame so sehr ins Straucheln geriet, das eines der Pferde ins Wasser fiel. Was für eine Aufregung! Die Franzosen hätten daraufhin die günstig gelegene Brücke bei Fuestrup gerne wieder reparieren lassen, aber bislang ist das noch nicht geschehen. Jedenfalls nehmen die Franzosen seitdem lieber den Weg über Telgte.
Und mir geht es ganz genauso, denn Telgte ist wirklich eine hübsche kleine Stadt. Aber auch sie ist vom Krieg arg gebeutelt. Als Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel, genannt der „Tolle Christian“, mit seinem Heer nach Westfalen zog, war er keineswegs zimperlich, was das Einziehen von Kontribution und Fourage anging. An viele Dörfer sandte er sogenannte „Brandbriefe“, die waren an allen vier Enden angebrannt, ein sehr beredetes Zeugnis dessen, was passieren würde, sollte man seinen Forderungen nicht nachkommen. Ein maßlos teurer Schutzbrief, den Telgte sich erkaufen musste, vermied zunächst einmal das Schlimmste.
Doch nur Wochen nach dem Abzug des Tollen Christian erschien sein Gegenspieler, der kaiserliche Feldmarschall Graf Anholt. Ausgerechnet hier in Telgte nahm er zunächst sein Hauptquartier. Er galt zwar im katholischen Land im Gegensatz zu Christian als „Freund“, aber an seinem rücksichtslosen Verhalten änderte das nichts. Die Stadt Warendorf hat er sogar 10 Tage lang belagert, bis sie ihm die Tore öffnen und seinen Forderungen nachkommen musste.
Eine Erinnerung an diese erste Zeit des Krieges befindet sich in der Telgter St. Clemens Kirche. Es ist ein großes, sehr kunstvoll gestaltetes Hungertuch, also ein Tuch, dass während der Fastenzeit im Chor hängt und den Altar verdeckt.
Die Stiftung dieses Tuches von 1623 mag mit der Hoffnung verbunden gewesen sein, das Schlimmste bereits hinter sich zu haben. Doch Jahr um Jahr kamen neue Truppen ins Land, die fouragiert werden wollten, und Telgte musste immer wieder zahlen. Zuletzt rückte der schwedische General Königsmarck mit seinen Soldaten ins Münsterländische ein. Noch im Jahre des Herrn 1647, also unlängst, vor einem Jahr, plünderte er ungeachtet der Friedensverhandlungen das Land bis vor die Tore Münsters aus. Das alles lehrte die frommen Telgter nur noch mehr das Beten. Besonderes Zutrauen haben sie zur Maria, von der sie ein wundertätiges Gnadenbild in ihren Mauern wissen.
Ja, auch in Telgte wird man mehr als froh sein, wenn schließlich das Ende dieses alles verzehrenden Krieges verkündet wird. Möge Gott geben, das dies bald geschieht!

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