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Am Anfang war – die See. Sie war es nämlich, die das Leben hier in Küstennähe bestimmte. Die Menschen lebten insbesondere von Viehzucht, Jagd oder Fischfang, denn die Möglichkeiten des Ackerbaus waren, bevor Deiche das Land vor der Flut bewahrten, recht begrenzt. Den ersten Schutz vor dem Wasser, den sich die Bewohner des Küstenlandes anlegten, waren sogenannte Wurten oder Warften, die man mit Steinen und Erdwerk aufhäufte. Im Mittelalter begannen die Menschen auf einer besonders großen Wurt dasjenige Gebäude zu errichten, das ihnen am allerwichtigsten war, nämlich die Kirche. Dass die alte Ortsmitte von Otterndorf, bekrönt mit St. Severi, etwas höher liegt als der Rest des Umlandes, kann man noch immer erahnen. In der Tat weist die jahrhundertealte Wurt noch heute eine stattliche Höhe von 6 1/2 m auf. Im Übrigen war ihr Platz gut gewählt, denn die Küste lag nicht allzu fern, außerdem floss am Fuß der Wurt die Medem vorbei.
Die erste Kirche am Ort wird wohl aus Holz gewesen sein, doch bereits an der Wende vom 12. zum 13. Jhd. wird man ein Gotteshaus aus Stein errichtet haben, das in einigen Teilen noch heute erhalten ist. Das gilt allerdings nicht für den Kirchturm, der erst aus dem Jahr 1807 stammt, da alle seine Vorgänger zur Schräge neigten und baufällig geworden waren.
Sobald an der Küste eine Deichlinie entstanden war, die alles Hinterland schützte, wurden die Bauern im Land Hadeln auf dem fruchtbaren Marschboden wohlhabend. Dazu kam, dass sie zwar offiziell zum Herzogtum Sachsen-Lauenburg gehörten, aber im Grunde doch ziemlich unabhängig waren. Die Bewohner des Kirchspiels hatten sogar eine eigene Verfassung und verfügten selbstständig über die niedere Gerichtsbarkeit. Das änderte sich auch nicht als die
Reformation um 1526 Einzug hielt und Otterndorf für lange Zeit zum kirchlichen Zentrum des gesamten Landes Hadeln wurde.
Genau dieses Selbstbewusstsein und auch den örtlichen Wohlstand sieht man der Severikirche in Otterndorf an, einerseits an ihren Ausmaßen, die der Kirche die Bezeichnung „Bauerndom“ einbrachte, und andererseits an der opulenten Ausstattung.
Im 16. und 17. Jhd. wurde das Gotteshaus innen wie außen grundlegend erneuert. Die Innenausstattung ist weitgehend barock. Die Orgel, der Altar und die Emporen sind die prägenden Elemente aus dieser Zeit. Ganz besonders eindrücklich ist die Kanzelempore mit ihren geschnitzten Figuren. In Verbildlichung des biblischen Gedankens scheint sie mit ihrem gesamten Gewicht auf der Statue des Mose zu ruhen, der die Steintafeln mit den 10 Geboten in den Händen hält.
Ein interessantes Detail ist, dass die Herzöge von Sachsen-Lauenburg über eine eigene Herrscherempore verfügten, obwohl sie hier wohl eher selten zum Gottesdienst anwesend gewesen sein dürften.

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