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Dielingen ist ein wahrhaftig uralter Kirchort und steht im Zusammenhang mit der Christianisierung der Sachsen durch Karl den Großen um das Jahr 800. Das heißt, die Dielinger können mit Recht behaupten, dass ihre Kirche im Kern genauso alt ist wie die großen Dome in Minden, Osnabrück und Münster.

Wahrscheinlich kamen die ersten Missionare aus Minden und zogen über den Wiehengebirgskamm Richtung Westen. Vielleicht kamen sie auf ihrem Weg vorbei an der Babilonie bei Lübbecke, einer alten Wallanlage, die der Sage nach Herzog Wittekind als Unterschlupf genutzt hatte. Von dort aus hat man einen guten Blick auf den Stemweder Berg und man sieht bei gutem Wetter sogar den Dielinger Klei, die örtlichen Erhebungen des Stemweder Berges. Diese letzten felsigen Erhebungen vor dem morastigen Tiefland mögen die Missionare zu der strategischen Entscheidung bewogen haben, vor Ort eine Kirche und ein Missionszentrum zu errichten.

Die erste Kirche in Dielingen und auch ein erster Nachfolgebau waren noch aus Holz. Ihre Überreste hat man noch im Grund gefunden, als man 1978 Heizungsschächte für die heutige Kirche anlegte. Die jetzige St. Marien-Kirche in Dielingen stammt vom Anfang des 13. Jhds. und ist angelegt als spätromanische Hallenkirche mit großem Westturm. Sie wurde von dem Bischof Konrad von Minden praktisch gleichzeitig mit dem Schloss in Haldem errichtet, da er in der Region deutlich seine Präsenz verfestigen wollte.

Um 1450 erhielt die St. Marien-Kirche ein gotisches Querschiff, sodass der Grundriss der Kirche ein großes „T“ darstellte. Wenig später wurde an der Ostseite jedoch eine zweigeschossige Sakristei angebaut, wodurch der Grundriss letztlich kreuzförmig wurde.

Neben der noch originalen Barockorgel aus dem 17. Jhd. ist noch ein anderes Stück des Kircheninventars von besonderem Interesse: Ein Kronleuchter im Langschiff verweist auf die heute noch aktive St.-Matthias-Bruderschaft zu Dielingen von 1654. In Zeiten der Pest hatten sich die Mitglieder der Bruderschaft verpflichtet, sich im Todesfall gegenseitig ein würdiges Begräbnis zu gestalten - ein durchaus schwieriges und gefährliches Unterfangen, raffte die Krankheit doch allzu viele Menschen gleichzeitig dahin. Zudem hatte man Angst vor dem sog. „Ankleben“ der Seuche, also davor, sich anzustecken. Insofern waren solche Bruderschaften, die auch in vielen anderen Ortschaften und Städten dieser Zeit entstanden, ein Akt der Selbstbehauptung und der Zivilisation gegenüber einem Übel geradezu apokalyptischen Ausmaßes, dessen Ursache man erst Jahrhunderte später verstand.

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