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Willkommen, liebe Gemeinde in unserer Kirche zu St. Lamberti!

Naja, ich weiß schon, dass Sie heute nicht zum Beten hier sind, sondern damit ich Ihnen etwas über unsere schöne Kirche erzähle, aber ich kann halt nicht so recht aus meiner Haut. Tigges ist mein Name, Pastor Tigges.

Dass die Lambertikirche in Ochtrup heute so dasteht, ist gewissermaßen mein Verdienst, worauf ich, in aller Demut, ein wenig stolz bin. Wissen Sie, die Pfarrei St. Lambertus ist ja eigentlich schon uralt, 1203 das erste Mal urkundlich erwähnt. Doch die alte Kirche war zur Flickschusterei geworden,  da sie  nach dem großen Stadtbrand von 1599 repariert und später, weil zu klein geworden,  erweitert worden war. Da Ochtrup durch die Ansiedlung neuer Industrien wiederum beträchtlich gewachsen war, wurde es endlich Zeit für  einen neuen Kirchenbau, für den die Gemeinde ja auch schon seit Jahren gespart hatte. Doch bis ich endlich alle verantwortlichen Stellen überzeugt hatte! Immer wieder schielte man auf das Geld und so manchem war der neue Bau viel zu teuer. Dazu kam, dass mein lieber Hertel, der Diözesanbaumeister und ich bestimmte Vorstellungen hatten, was das Äußere der Kirche anging. Wir wollten für unsere Fassaden keine billigen Backsteine, so ein furchtbares Kasernenmaterial! Sollte doch das neue Gotteshaus unser schönes Ochtrup für die nächsten Jahrhunderte schmücken und nicht verschandeln! Wir wollten echte Steine aus Gottes schöner Natur. Nur wenige Kilometer von hier Richtung Bentheim wurde ein herrlicher Stein aus dem natürlichen Fels gebrochen. Genau den wollten wir. Nach langem Hin und Her und viel Überzeugungsarbeit war es 1866 so weit und die Arbeiten konnten beginnen. Die alte kleine Kirche mit ihrem sperrigen Turm, dazu vier andere Häuser mussten zunächst abgetragen werden. Dann erst konnte der große Neubau begonnen werden. Ganze sieben Jahre später lasen wir endlich die erste Messe in unserer neuen Kirche. Aber es hat sich gelohnt: Ist sie nicht herrlich geworden? Eine neugotische Hallenkirche, genauso, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte! Und schauen Sie nur einmal nach den wunderschönen Kirchenfenstern!

Der Kirchenbau war mir eine echte Herzensangelegenheit, doch hatte ich noch viel mehr vor: So bauten wir mit Hilfe der Textilfabrikanten Gebrüder Laurenz nicht weit von hier das Pius-Hospital. Auch legte die Gemeinde einen neuen, größeren Friedhof außerhalb der Stadt an.

Wie früher üblich, hatte übrigens der älteste Gottesacker direkt hier neben der Kirche gelegen. Er war aber schon z.Z. Napoleons aufgegeben worden, da verfügt worden war, dass Friedhöfe außerhalb des Trinkwasserbereiches einer Ortschaft zu liegen haben - was ja auch durchaus Sinn macht. Dennoch ist man sehr viel später, nämlich als man den hiesigen Kirchplatz so umgestaltet hat, wie Sie ihn heute sehen, auf menschliche Knochen gestoßen. Das war mehr als nur eine Zeitungsmeldung wert, das können Sie mir glauben!

Noch eine andere Kleinigkeit aus späteren Tagen, lange nach meiner Zeit: Neben meiner Kirche befindet sich heutzutage ein hübscher bronzener Zierbrunnen. Haben Sie den gesehen? Er nimmt Bezug auf eine alte Ochtruper Tradition, nämlich das Lambertusspiel. Dabei tanzen am Lambertus-Tag, dem 18.  September, Kinder um den mit Lichtern und Tannengrün geschmückten Lambertusbaum und ehren damit den Patron unserer schönen Kirche.

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