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Zeit ist etwas Faszinierendes, vielleicht besonders dann, wenn sie stillzustehen scheint - wie z.B. an einem beschaulichen Tag im Moor. Dabei steht hier die Zeit gar nicht still, sie vergeht nur sehr langsam: Das Torfmoos, aus dem das Moor überwiegend besteht, wächst im Jahr nur einen einzigen Millimeter. Wenn Sie sich also bewusst machen, dass hier im Neustädter Moor die Torfschichten eine Mächtigkeit von 4-5 Metern aufweisen, ist ganz leicht auszurechnen, dass seine Geschichte Jahrtausende tief zurückreicht. Dazu kommt, dass das Moor wie ein Archiv ist, das getreulich Jahr für Jahr die Zeit dokumentiert und fixiert. Die Torfmoose wirken nämlich wie ein Schwamm, der sich mit Wasser vollsaugt. Der hohe Wasserstand wiederum verhindert eine Belüftung der Bodenoberfläche, so dass kaum eine Zersetzung dessen erfolgt, was im Laufe vieler Jahrhunderte im Moor verschwunden ist: vor allem Pflanzen, vielleicht auch einmal ein Tier, aber manchmal auch ein Mensch.
Hochmoore sind urtümlich Landschaften – weder richtig Land noch Wasser. Sie werden ausschließlich von Regenwasser gespeist. Die daraus resultierende Nährstoffarmut, das saure Milieu des Moores und die Wassersättigung lassen nur besonderen Spezialisten aus Flora und Fauna eine Überlebenschance. Neben dem Torfmoos schaffen es nur einige Riedgräser und niedrige Büsche, im Moor ihren Platz zu finden – und einige Pflanzenarten, die ihren ganz eigenen Ausweg aus der Nährstoffarmut ihrer Umgebung gefunden haben, z. B. der Sonnentau, eine „fleischfressende“ Pflanze, die sich an Insekten gütlich tut.
Nicht wenige dieser Überlebenskünstler gelten heute jedoch als gefährdet, da ein Großteil der Moorgebiete in den letzten zwei Jahrhunderten trockengelegt und abgetorft worden ist. Dies gilt auch für weite Bereiche des Neustädter Moores. Früher war der Torf wichtiger Brennstoff für die umliegenden Bauerschaften. Später wurde sogar industriell abgetorft, um Kultursubstrate für den Gartenbau zu verkaufen. Diese Zeit ist im Neustädter Moor jedoch schon recht lange vorbei: Bereits seit 1969 steht es unter Naturschutz und gilt als Keimzelle des Hochmoorschutzes in ganz Niedersachsen.
Heute ist der Schutz des Moores wichtiger denn je, wirkt er doch mit an den besonderen ökologischen Herausforderungen unserer Zeit: Schutz des Moores heißt Artenschutz, deshalb sind große Teile des Neustädter Moores zu Gebieten nach Flora-Fauna-Habitatsrichtlinien
und zu EU-Vogelschutzgebieten erklärt worden. Außerdem filtert es Schadstoffe aus dem Regenwasser. Besonders wichtig ist jedoch, dass das Moor den Kohlenstoff der in ihm lebenden Pflanzen bindet, d.h. Schutz des Moores ist auch Klimaschutz!
Wenn sie noch mehr wissen möchten: Hier direkt am Turm beginnt unser Moor-Erlebnispfad, mit dem Sie eine Reise durch die faszinierende Welt des Moores unternehmen können. Eine besondere Attraktion ist zudem die Ströher Moorbahn. Sie fährt auf der Trasse, auf der früher der gestochene Torf abtransportiert wurde. Mit gemütlichen 6 km/h fährt man vom Moorbahn-Bahnhof in Wagenfeld zum etwa drei Kilometer entfernten Moorpad im Neustädter Moor – und wieder zurück.

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