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Lisa Eiling: Dann kommen Sie mal rein in unsere Töpferei! Was darf’s denn sein? Teller, Schüsseln oder ein schöner Krug? Wir haben alles an Geschirr, was Sie sich nur vorstellen können. Und noch einiges mehr!

Wenn Sie zum Beispiel eine schwache Blase haben, kann ich Ihnen nur einen Siebenöhrigen empfehlen, der hat sieben Henkel und lässt sich immer leicht greifen, wenn er bei Bedarf unter dem Bett steht!

Oder hier eine Ochtruper Nachtigall, eine echte Ochtruper Eigenheit. Sieht aus, wie ein kleiner Krug, ist aber eigentlich eine Pfeife, und wenn man sie halb mit Wasser füllt, kann man damit zwitschern wie eine Nachtigall, daher der Name.

Ich kann Ihnen sagen, unsere Keramik ist absolute Qualitätsware! Seit vielen hundert Jahren gibt es eine Töpfertradition in Ochtrup und das merkt man. Auch das Grundmaterial ist erstklassig. Es kommt aus der Brechte, nicht weit von hier, da gibt es üppige Lehmvorkommen, um die wir Ochtruper lange Zeit hart hatten kämpfen müssen, sogar bis aufs Blut. Die Gildehauser und Bentheimer hätten nämlich auch gerne von unserem Lehm gehabt, aber da gab es keine Kompromisse. Damals hieß es: „Lieber den Himmel verloren als die Brechte“! Daran kann man sehen, wie wichtig das Töpferhandwerk bei uns immer schon gewesen ist. Bereits im Mittelalter war die Töpferskunst bei uns hoch angesehen und verbreitet, doch später hat sich Ochtrup zur regelrechten „Töpferstadt“ entwickelt. Um das Jahr 1800 herum fertigten bei uns ganze 23 Töpfereien glasierte Irdenware im richtig großen Stil. Die Töpfer verkauften ihre Keramik in großer Stückzahl an die hiesigen Händler, die damit die Märkte weit über Westfalen hinaus bis nach Zwolle, Deventer und Amsterdam versorgten. Im Jahr 1819 waren 35 der 36 in Ochtrup ansässigen Hausierer ausgemachte „Topfhändler“. Ochtrup war damit einer der wichtigsten Export- und Handelsorte für westfälische Töpferwaren geworden. Später übernahmen die Kiepenkerle, auch "Pottkerls" oder "Pöttker" genannt, den Handel. Sie zogen mit einem großen Tragekorb auf dem Rücken übers Land. Auch zu dieser Zeit wurden unsere Waren bis ins Münsterland, ins Emsland, ins Hannoversche und bis weit nach Holland hinein gehandelt.

Unser Haus hier steht übrigens in besonderer Weise für diese Tradition. Seit dem 17. Jahrhundert ist das Töpferhandwerk hier zuhause, seit dem 19. Jahrhundert wirkt hier meine Verwandtschaft, die Familie Eiling.

Ja, schade nur, dass die ganz großen Zeiten heutzutage vorbei sind. Bruchsicheres Emaillegeschirr, Glas und Porzellan hat uns Konkurrenz gemacht. Und die Kiepenkerle kommen auch schon lange nicht mehr. Aber ich sehe Ihnen an, dass Sie noch echte Handwerkskunst zu schätzen wissen. Ja, schauen Sie sich nur um!

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