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Der Marktplatz von Rinteln ist das Herz und das geschichtsträchtige Zentrum der Stadt. Wenn man sich umblickt, könnte man fast meinen, umgeben von den Häuserzeilen, die bis weit ins 16. Jhd. zurückweisen, die Zeit sei stehengeblieben.
Auf diesem Platz findet seit vielen 100 Jahren öffentliches Leben statt, und zwar im Guten wie im Schlechten. Hier wurden den Einwohnern die Urteile während der Hexenprozesse kundgetan, aber hier wurde auch immer wieder gefeiert. Ein wichtiger Anlass war z.B. das 100jährige Bestehen der Universität, das man 1721 mit großem Pomp beging.
Entsprechend der zentralen Stellung des Platzes steht hier natürlich auch das ehemalige Rathaus der Stadt. Die beiden wunderschönen Fassaden an der Ecke des Platzes, an der sich der Durchgang zur Nikolaikirche befindet, stammen aus der Zeit der Weserrenaissance und spiegeln den Stolz und Wohlstand der Stadt in dieser Zeit wider. Im Jahr 1900 zog die Stadtverwaltung um. Seitdem dient das alte Rathaus als Lokal und Veranstaltungsstätte.
Dem Alten Rathaus schräg gegenüber steht ein nicht weniger interessantes Gebäude. Im 17. Jhd. war das heutige „Bürgerhaus“ die Hauptwache der Festung Rinteln. Hier tat der Premierleutnant seinen Dienst, teilte Wachen ein, organisierte Versorgung und Nachschub und nahm abends die Schlüssel der verschlossenen Stadttore entgegen. Nach Schleifung der Festung setzte man auf das steinerne Erdgeschoss zwei Stockwerke aus Fachwerk auf. Das Landgericht und das Polizeigefängnis zogen hier nun ein. Die Gitterstäbe im rückwärtigen Anbau erinnern noch immer an diese Zeit. Aufsehenerregend war in den 30er Jahren des 19. Jhds. der Fall des Johann Heinrich Seidenfaden, dem es gelang, aus diesem Gefängnis zu fliehen. Erst Jahre später wurde er wieder verhaftet und schließlich vor den Toren Rintelns öffentlich geköpft. Heute geht es in diesem Haus deutlich freundlicher zu. Hier befindet sich nämlich u.a. die Tourist-Information, deren Team sich darauf freut, Sie bei allen Fragen rund um Ihren Besuch in Rinteln und seiner Umgebung zu beraten und behilflich zu sein.