Es waren einmal zwei Studenten aus Rinteln auf Reisen. Des Abends wollten sie in einem nahegelegenen Dorf übernachten. Weil aber ein heftiger Regen fiel und es finster wurde, gingen sie zu einer in der Nähe gelegenen Mühle, klopften dort an und baten um Nachtherberge.
Der Müller wollte sie anfangs nicht aufnehmen. Aber weil sie so inständig baten, mochte er sie schließlich doch nicht vor der Tür stehen lassen. Er führte sie in eine Stube, wo auf einem Tisch eine Schüssel mit gutem Essen und eine Kanne Bier standen. Die beiden Studenten freuten sich und versicherten, dass sie die Verköstigung gut bezahlen würden. Doch der Hausherr sagte: „Rührt mir nur nichts davon an! Speise und Trank gehören dem Hausgeist! Er wird heute Nacht wieder durch die Mühle lärmen. Tut einfach nur so, als wenn ihr schlafen würdet. Dann geschieht euch nichts!“ Mit dieser Ermahnung verließ er sie.
Einer der beiden Studenten ließ sich nach einer Weile von Hunger und Durst hinreißen, erhob sich von seinem Lager und hielt sich ohne Sorge an Schüssel und Kanne schadlos. Dann legte er sich wieder hin und schlief in aller Ruhe ein.
Gegen Mitternacht erhob sich ein lautes Rumoren. Der Kobold erschien und setzte sich an den Tisch. Voller Ärger setzte er Schüssel und Kanne hart auf die Tischplatte, denn beides war leer. Dann begann er rumpelnd die Stube zu putzen und zu fegen, wobei er den einen Studenten in Ruhe ließ. Den anderen aber, der gegessen und getrunken hatte, warf er immer wieder mit Wucht von seiner Lagerstatt hart auf den Boden und lachte höhnisch dazu. So ging es die gesamte restliche Nacht. Als ihnen morgens der Müller aufschloss und hörte, was geschehen war, schimpfte er furchtbar und rief: „Warum habt ihr nicht auf mich gehört? Und eines will ich euch sagen: Ihr habt noch großes Glück gehabt. Denn das hätte euch leicht das Leben kosten können!“