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Na, bestaunen Sie gerade unser Neuenkirchen? Ein schönes Fleckchen Erde, nicht wahr?

Ach, ich wohn hier nur ein Stück weiter runter, Hermann Sunderdieck mein Name. Aber wissen Sie was? Nennen Sie mich man ruhig, wie die meisten anderen hier auch: Im Ort bin ich bekannt als „Harapatt“! Nun fragen Sie mich nicht, wie man zu so einem Spitznamen kommt! Einige behaupten, der Name sei nicht sehr schmeichelhaft. Naja, die Leute hier sind beileibe nicht unrecht. Und trotzdem, haben auch bei uns gerade diejenigen, die einem am lautesten die Welt erklären wollen, oft am wenigsten Ahnung! Aber was soll´s?

Überhaupt, Ahnung, wenn jemand über diese Gegend genau Bescheid weiß, dann bin ich das! Ich komm mit meinem Fahrrad ziemlich weit herum! Sie wollen was Bestimmtes wissen? Dann sind Sie bei mir ganz richtig! Ja, hier im Ort hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Die moderne Zeit hält Einzug, sag ich Ihnen! Aber das kann man ja nun immerhin auch erwarten, schließlich schreiben wir mittlerweile das Jahr 1907! Die Dinge sind nicht mehr, wie sie waren, nee, nee! Da können die Nachbarn reden, was sie wollen!

Kucken Sie nur mal, was sich im Ort allein in den letzten Jahren alles getan hat! Als Allererstes das, was das Ortsbild am meisten prägt, nämlich unsere neue St. Laurentius-Kirche, ein imposanter neugotischer Bau mit einem 65 m hohen Kirchturm. Viele Jahre schon hatten unsere Pastoren darum gekämpft, ein neues Gotteshaus für die Gemeinde zu bauen, denn unsere alte Kirche, die noch aus dem Mittelalter stammte, war viel zu klein geworden, und Stück baufällig dazu. Nicht, dass ich sie nicht gemocht hätte, sie erzählte mit ihren Schießscharten im Turm so manche Geschichte aus alter Zeit. Es heißt, um die Kirche habe es sogar einmal eine Wehranlage, eine Kirchhofsburg gegeben. Nun aber ist sie abgerissen. Sie zu sanieren, hätten wir mit unseren bescheidenen finanziellen Mitteln nicht auch noch stemmen können. Schließlich hat allein der Neubau der Kirche samt Inventar eine Unsumme verschlungen. Aber die Neuenkirchener sind halt allesamt brave Katholiken, die ihre Kirche mit viel Geld und tätiger Mithilfe unterstützten.

Da traditionell der Küster auch gleichzeitig der Lehrer war, befindet sich da, wo etwa unsere alte Kirche stand, auch unsere Schule. Erst letztes Jahr, 1906, haben wir endlich einen Schulbau bekommen, in dem nicht mehr alle Kinder des Dorfes, so etwa 120 an der Zahl, zusammen in einem einzigen Klassenzimmer sitzen müssen. Nein, endlich gibt es bei uns zwei Klassenräume! Ich sag ja, der Fortschritt ist nicht aufzuhalten!

Dazu haben wir auch noch ein eigenes Krankenhaus bekommen, jawohl! Das St. Elisabeth-Stift, so benannt zu Ehren der Witwe Elisabeth Kitzero, die mit ihrer Hinterlassenschaft den Bau möglich gemacht hatte.

Und dann ist da natürlich noch die Mühle, die der Müller Brockamp hier im Ort aufgestellt hat. Neu ist diese Mühle eigentlich nicht, allerdings ihr Standort. Vorher hat sie am Lünort gestanden, und noch früher, vor gut 150 Jahren, in Borgloh. Brockamp hat die Mühle hier in den Ort geholt, hat sie in massivem Stein wiederaufgebaut und auch noch mit einem Sägewerk versehen. Wie man im Ort so erzählt, ärgert er sich allerdings immer wieder darüber, dass der Wind nicht so weht, wie er es gerne hätte.  Ich selbst hab den Brockamp darüber reden hören, dass er überlegt, die Mühle mit einer Dampfmaschine anzutreiben. Jaja, die modernen Zeiten! Nun sind Sie auch bei uns angekommen!

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