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Die Konzessionsvergabe

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Drost: Wie ich sehe, sind viele der Beteiligten meiner Einladung gefolgt. Kein Wunder, es geht ja auch um einiges, insbesondere für die Müller der Umgebung. Jede neue Mühle schmälert schließlich ihr Auskommen. Na, dann wollen wir mal.

Werte Untertanen, im Namen unseres hochverehrten Königs Ernst August von Hannover eröffne ich, Carl Detlev Freiherr Marschalck von Bachtenbrock als Drost der Königlichen Landdrostei Aurich die Sitzung vom heutigen 10. August 1849. Wir sind hier versammelt, um zu erörtern, ob dem Wunsch nach einer neuen Windmühle in Nenndorf nachzukommen ist. Es liegt das Gesuch des Landwirts Willm Schweers Willms vor, der die Konzession zum Bau dieser Mühle beantragt hat. Ich möchte dem Antragsteller das Wort erteilen!

Willm Schweers Willms: Werter Herr Landdrost, im Interesse aller Bauern von Nenndorf, Eversmeer und Westerholt will ich bei uns eine Mühle bauen. Über ein günstig gelegenes Grundstück bin ich auch schon handelseinig. Die Mühle in Utarp ist für uns einfach zu weit weg. Dazu muss man oft warten oder wird wieder nach Hause geschickt. Für so etwas habe ich keine Zeit! Mein Korn mahle ich schon seit Jahren selber. Dann kann ich es auch für andere tun!

Drost: Ob die Dinge so klar liegen, möchte ich bezweifeln. Der Müller von Utarp, Eime Heyen Siemons, soll daher zur Sache gehört werden!

Eime Heyen Siemons: Herr Drost, eines will ich nur betonen: Tag für Tag tu ich mein Bestes! Dass jemand auf sein Mehl warten muss, kommt nur vor, wenn der Wind uns im Stich lässt.

Willms: Ja, wenn es denn so wäre! Und trotzdem bleibt für uns der lange Weg!

Drost: Lass gut sein Willms, du hast deinen Teil schon vorgebracht!

Siemons: Herr Drost! Na schön, dann soll mir eine Mühle in Nenndorf recht sein, aber wenn denn einer die Konzession bekommt, dann doch wohl ich! Ich kenne das Geschäft und habe das Geld für den Bau. Dazu kann ich die Mahlgäste der Mühle Utarp und der neuen Mühle so aufteilen, dass alle nur Vorteile davon haben. Mein Neffe, Eime Heyen Schipper, ist Müllermeister und könnte die neue Mühle sofort betreiben.

Zwischenruf: Siemons, bist du verrückt?! Die neue Mühle ruiniert uns!

Drost: Silentium! Ruhe! Meine Entscheidung ist gefallen: Ich sehe wohl ein, dass die hiesigen Bauern eine eigene Mühle brauchen. Da der Antragsteller Willms aber als Landwirt nicht zu diesem Geschäft berufen ist, will ich die Konzession dem Müller Siemons erteilen. Allerdings nur unter Auflagen! Der Bau der Mühle hat spätestens bis Ende des Jahres 1850 zu erfolgen! Ich wünsche dem Müller viel Erfolg bei seinem Vorhaben! Die Sitzung ist geschlossen!

Jo, so is ok good!

Seit über 170 Jahren tut die Mühle mittlerweile getreulich ihren Dienst, wenn vor Ihnen auch nicht mehr der ursprüngliche Bau steht, sondern sein Nachfolger, der nach dem Brand von 1872 erbaut worden ist. Heute wird die Mühle liebevoll durch den Verein Mühlenfreunde Holtriem betreut, der sich über Ihre Besichtigungsanfrage jederzeit freut.

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