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Ist sie nicht ein Prachtstück, unsere Windmühle in Schweindorf? Eine wunderschöne Holländer Galeriekappenwindmühle, die schon weit über ein ganzes Jahrhundert hier an Ort und Stelle steht. Die Klaashensche Windmühle ist ein regionales Bau- und Gewerbedenkmal allerersten Ranges.
Dass sie uns hier als ausgemachtes Schmuckstück gegenübersteht, ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Viele alte Mühlen in Ostfriesland sind einfach mit der Zeit verschwunden. Und beinahe wäre das Gleiche auch mit der Klaashenschen Mühle hier in Schweindorf passiert.
Die nach einem Brand 1907 neu erbaute Mühle war bis 1961 in regelmäßigem Mahlbetrieb, dann wurde sie nur noch als Lagerstätte benutzt und verfiel letztlich zusehends. Ende der 80er Jahre stand schließlich nur noch ein vom Alter gezeichneter Mühlenstumpf.
Doch nun geschieht das Wunder: 1992 erwerben Privatleute den Torso und es wird der Mühlenverein Schweindorf gegründet.
Zunächst wird der sog. Achtkant, d.h. der obere, angeschrägte Teil der Mühle renoviert. Um die Sanierung jedoch sachgerecht und nachhaltig durchzuführen, entschließt man sich, den gesamten 9,5 t schweren Achtkant per Autokran anzuheben und neben dem gemauerten Mühlenstumpf abzusetzen. Erst jetzt können die dringend erforderlichen Arbeiten durchgeführt werden, und zwar allesamt in ehrenamtlicher Eigenleistung der Vereinsmitglieder!
Nach drei Jahren akribischer Arbeit bekommt die Mühle eine Galerie, also einen Rundumgang, der ihr per Krahn von oben wie ein Kragen aufgesetzt wird. Erst nachdem diese fest sitzt, wird nun auch der neu in Schuss gebrachte Achtkant wieder aufgesetzt. Im gleichen Zeitraum hat man schon angefangen, das schadhafte Mauerwerk auszubessern und schließlich neu zu verfugen. Auch innen werden die Wände neu verputzt, Böden und Treppen erneuert.
Wiederum mit dem Krahn wird einige Zeit später eine neu verfertigte Kappe auf den Achtkant gehievt. Auch bekommt die Mühle innen ein weitgehend neues Drehgetriebe. Nach 6 Jahren harter und aufopferungsvoller Arbeit sind sie endlich wieder recht schmuck aus, die Klaashensche Mühle. Aber fertig ist sie damit noch längst nicht! In den Folgejahren bekommt sie noch einen neuen Mahlgang mit entsprechenden Mühlsteinen und einen Steert, um die Kappe justieren zu können. Schließlich fehlen noch die Flügel und die Mühlensegel.
Im Jahre 2002 ist es endlich so weit. Nach insgesamt 10 Jahren Mühe, Arbeit, Ausdauer und viel Geld, das viele Beteiligte in das Projekt gesteckt haben, ist die Mühle das Schmuckstück, des Dorfes. Unglaubliche 7500 Stunden ehrenamtliche Knochenarbeit stecken in der Renovierung. Deshalb ist die Mühle in Schweindorf neben ihrem historischem Wert gleichzeitig ein Denkmal dafür, was Gemeinsinn, Engagement und langer Atem alles bewirken können!

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