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Wenn Bäume erzählen könnten…

Die mächtige Sommerlinde auf dem Gelände des AWO-Psychiatriezentrums – im Hof des ehemaligen Benediktinerklosters – ist ein bedeutendes Naturdenkmal. Ihr Alter wird auf ca. 900 Jahre geschätzt. Der Legende nach soll Kaiser Lothar III. sie bei der Grundsteinlegung der Kirche gepflanzt haben.

Der Berggarten an der Westseite des Kaiserdoms ist eine idyllische Parkanlage mit Wasserläufen, Wasserfällen und Teichen. Dort finden Patienten des AWO Psychiatriezentrum und Besucher gleichermaßen einen Ort der Entspannung. Das Gelände des AWO Psychiatriezentrum, des größten psychiatrischen Fachkrankenhauses Niedersachsens, erstreckt sich über 33 Hektar. Das APZ gewährleistet die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung im Braunschweiger Land mit besonderen, spezialisierten stationären, teilstationären und ambulanten therapeutischen Angeboten. Dazu gehört ein störungsspezifisches und individuell ausgerichtetes Behandlungsangebot mit bestmöglichen Bedingungen, um eine psychische Erkrankung rechtzeitig zu diagnostizieren und adäquat zu behandeln.

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So weit, weit ragen meine Äste in den Wind – und zurück in die Zeit. Das große Gotteshaus, in dem Kaiser Lothar begraben liegt, ja, das ist wahrlich uralt. Und so ist es auch mit mir. Man sagt, der große Kaiser selbst habe mich hier in die Erde gesetzt. Ich war damals noch ein junger Setzling, erinnere mich aber genau, dass ein stattlicher Herr in feiner Kleidung mich fest in seinen Händen hielt und dass viele andere Menschen mit feierlichen Mienen um ihn und mich herum standen.In alter Zeit war es nämlich Sitte, einen Lindenbaum zu pflanzen, wenn etwas sehr Bedeutendes begangen wurde. Und was wäre wohl bedeutender als der Bau einer Kirche, deren Türme den Ruhm einer Kaiserdynastie weit in die Landschaft künden sollen? Allein Lothars Traum erfüllte sich nicht und die Reihe der herrschaftlichen Gräber in seiner Kirche ist nur kurz. Nicht die Welfen, sondern die Staufer wurden zu Kaisern des Reiches.

Vieles sah ich in all diesen Jahrhunderten: Zugleich mit dem Dom wurde ein großes Kloster errichtet. Die Benediktinermönche sollten in Würde die kaiserlichen Gräber pflegen, was sie auch getreulich lange Zeit verrichteten. Direkt am Dom befand sich ihr prächtiger Kreuzgang mit zwei zusätzlichen Kapellen. Und geschäftig waren diese Mönche: Ganz hier in der Nähe stand ihre Mühle mit einem Brauhaus. All das war umgeben von einer Mauer, die das Kloster vor der Welt da draußen schützen sollte. Doch die Welt veränderte sich und nahm sich nach Jahrhunderten schließlich doch das Ihre. Die Mönche verschwanden, Teile des Klosters verfielen oder wurden abgerissen.

Aber neben all dem, was die großen Herren anging, sah ich auch vieles, was die einfachen Menschen und ihr alltägliches Geschick anging. So manches Mal versammelte man sich in meinem Schatten und beratschlagte. Oft saß man hier auch zu Gericht. Auf der mir zugewandten Seite des Abtshauses, war lange Zeit ein Halseisen angebracht. Das hat so mancher Schurke als auch manch armer Tropf getragen.

Als lange nach der Zeit der Mönche in den Klostergebäuden ein Kaltwasserbad für Kurgäste untergebracht wurde, bekam auch ich wieder häufiger Gesellschaft. Man baute in meiner Krone eine Empore, worauf sich bei abendlichen Lustbarkeiten Musiker setzten und ich zum Zentrum einer Tanzgesellschaft wurde. Aber dieses Vergnügen war nur von kurzer Dauer. Nur wenig später baute man auf dem Grund des alten Klosters ein Krankenhaus für Menschen mit einer kranken Seele. Und ich hoffe, ich habe wenigstens einen kleinen Anteil an ihrer Genesung, denn was könnte ein besseres Bild für die Unerschütterlichkeit sein als ein Baum wie ich.

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