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Otterndorf war für Jahrhunderte ein bedeutender Handelsplatz für eine Vielzahl von Waren. In den fruchtbaren Marschen konnten die Bauern weit mehr Lebensmittel produzieren als sie selber benötigten. Daher war es ganz selbstverständlich, dass man den Überschuss in die nahen Hansestädte verhandelte, in erster Linie nach Hamburg. Das Gleiche galt für den Torf, den man im Sietland, südlich von hier, stach. Der Fluss Medem und seine nahe Mündung in die Nordsee machte Otterndorf zum idealen Umschlagplatz. Die Bauern ließen ihre Erzeugnisse mit sogenannten Flöten, kleinen Flusskähnen bis hierher bringen, wo sie in den örtlichen Speichern untergebracht wurden. Um sie dann weitertransportieren zu können, wurden sie auf kleine, aber seetüchtige Segler, sogenannte Ewer verladen. Und damit ging es dann in die Elbe Richtung Hamburg und Schleswig-Holstein oder auch in Richtung Westen bis zur Weser oder darüber hinaus bis nach Holland. In ihren Zielhäfen luden die Händler wiederum die Waren aus der großen weiten Welt und brachten sie mit nach Otterndorf und in das Land Hadeln.
Die Ufer der Medem waren damals noch nicht befestigt, was das Anlanden der Schiffe manchmal schwierig machte. Daher legten die Otterndorfer am Ufer des Flusses einen Specken an, das ist eine Befestigung aus Reisigbündeln. In Otterndorf gab es einen kleinen Specken am südwestlichen Rand der Altstadt und einen großen Specken unterhalb des alten Schlosses, also des heutigen Amtsgerichts. Erst um 1900 wurde der große Specken mit einer Kaimauer versehen.
Am großen Specken gab es spätestens seit dem 18. Jhd. auch einen Hafenkran, der das Verladen der Waren wesentlich vereinfachte. Dieser galt lange Zeit sogar als Wahrzeichen Otterndorfs. Sein Holz war im Laufe der Jahre jedoch so morsch geworden, dass er im kalten Winter 1944/45 von deutschen Soldaten verfeuert wurde.
Auch war Otterndorf lange Zeit Zollhafen. Am Ufer der Medem stand ein Zollhaus, in dem die Schiffspapiere überprüft wurden. Leicht soll der Dienst in Otterndorf allerdings nicht gewesen sein, denn die Hadeler versuchten oft, dem Zoll ein Schnippchen zu schlagen. Die Bauern aus Sietland mussten beispielsweise auf Getreideausfuhren Zoll bezahlen, andere Hadeler Bauern dagegen nicht. Daher wurde auf dem Oberlauf der Medem oftmals das Fahrzeug gewechselt, damit man das Getreide aus Sietland am Zoll vorbeibekam und sich den Ertrag teilen konnte. Das war natürlich streng verboten und kostete saftige Strafen, wenn man sich erwischen ließ.

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