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Die Trasse der B51 während ihrer Fertigstellung um 1953 in Richtung Münster

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„Hier geht es rund! Glandorf hat den Superkreisel“. So titelte die Neue Osnabrücker Zeitung angesichts des imposanten Kreisverkehrs am südlichen Glandorfer Ortsrand. Zwischen 2007 und 2009 entwickelte sich die einst unfallträchtige Kreuzung von B51 und B475 zu einem verkehrstechnischen Konzentrationspunkt, den täglich mehr als 22000 Fahrzeuge durchfahren.

Das ländliche Idyll der hiesigen Gemeinde wird durch diese Straßen jäh durchzogen. Aber dennoch sind sie seit langem wichtige Lebensadern.

Wegen seiner Lage zwischen den uralten Bischofssitzen Osnabrück und Münster gab es schon zu Zeiten Karls des Großen eine Straße, die Glandorf mit einbezog, gewissermaßen ein Urahn der heutigen B51. Man darf sich von einer solchen „Straße“ übrigens keine romantischen Vorstellungen machen. Selbst die wichtigsten Verkehrsrouten waren damals nicht viel mehr als ausgetretene Feldwege, die bei schlechtem Wetter im Morast versanken.

Wie beschwerlich das Reisen noch bis in die Neuzeit war, wird in einem Bericht aus dem Jahre 1730 deutlich, der eine Kutschreise von Osnabrück nach Münster beschreibt:

 

„Früh morgens fuhr man los, in Iburg mussten die Pferde das erste Mal rasten. In Glandorf wurde Mittag gemacht und gegen Abend eine letzte Pause in Telgte eingelegt. Erst in der Nacht hatte man Münster wirklich erreicht. Heutzutage fährt man die gleiche Stecke in einer Dreiviertelstunde – zumindest wenn kein Stau ist.“

 

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Straße gepflastert. Der Grund hierfür findet sich in der Franzosenzeit. Sollten doch die Armeen Napoleons möglichst zügig auf der Straße vorankommen. Aber durch die Wirren der Zeit dauerte die Fertigstellung noch bis 1830. Glandorf wurde nun Teil der regelmäßigen Postkutschenroute, sodass die Ortschaft sogar eine eigene Postmeisterei erhielt. Vor allem aber profitierte das Wirtschaftsleben von der Straße. Sogenannte Bremerwagen, große Fuhrwerke, pendelten im engen Takt zwischen dem Seehafen Bremen und dem Rheinland. Und die Glandorfer hatten das Glück, in beiden Richtungen Anteil an dem Warenstrom haben zu können.

Schlechter wurden die Verhältnisse seltsamerweise mit dem Fortschritt: Die Eisenbahn kam! – Aber leider nicht nach Glandorf. Stattdessen zog sie die Warenströme von der Straße ab, und die Glandorfer mussten zusehen, dass sie sich nun mühselig mit Planwagen aus Osnabrück versorgten.

Erst als das Auto aufkam, nahm die Bedeutung der Straße wieder zu. Allerdings ergab sich damit bald ein neues Problem: Die enge Straßenführung des Glandorfer Ortskerns war für den anwachsenden Autoverkehr nicht gemacht, zumal nicht für LKWs. Insofern war es ein Segen für alle Beteiligten, als eine ortsprägende Neuerung in Glandorf Einzug hielt: die Ortsumgehung! Seit den 1950er Jahren fahren die Autos erfreulicherweise um Glandorf herum.

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