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Das ursprüngliche Haus des Lohgerbers Jostes um 1912

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Diese Straße, die hier als unscheinbare Gasse beginnt, wurde nach dem Lohgerber Eduard Jostes benannt, dessen Familienbesitz sich hier in der Nähe befand. Eduard Jostes wurde am 27.02.1860 als drittes Kind der Eheleute Jostes-Balz geboren und war somit der Bruder des zwei Jahre älteren Franz Ludwig Jostes, der später Professor für Germanistik an der Universität Münster wurde. Der Großvater dieser beiden Brüder war der Gründer der Brennerei Jostes.
Als Kaufmann eröffnete Eduard Jostes eine Lohgerberei und hatte die gute Idee, seine Lederwaren gleich an Ort und Stelle zu Fertigwaren wie Taschen und Schuhe zu verarbeiten. Die Lohgerberei kam Anfangs aber nicht so recht in Schwung, worauf Eduard Jostes 1892 in einer Art Panikstimmung seine Familie und Glandorf verließ. Die Anfangsschwierigkeiten, die mit der Neugründung eines jeden Unternehmens verbunden sind, hatte er unterschätzt. Als seine Lohgerberei verkauft wurde, ergab sich bei dem Vergleich, dass noch ein Überschuss vorhanden war. Aber der Lohgerber blieb verschollen. Früh verwitwet hatte er zuvor ein zweites Mal geheiratet. Aus dieser Ehe stammten drei Töchter. Die noch junge Mutter starb jedoch im Jahre 1894. Weil Eduard
Jostes die Familie bereits zwei Jahre zuvor verlassen hatte, waren die drei Mädchen somit Waise. Prof. Franz Jostes nahm die drei Kinder in seinem Haushalt in Münster auf.

Die Berufsbezeichnung Lohgerber bzw. Rotgerber leitet sich vom mittlerweile untergegangenen Handwerk der Lohgerberei ab. Dies ist eine spezielle Form der Gerberei, die Rinderhäute zu strapazierfähigen, kräftigen Ledern verarbeitete wie z.B. für Schuhsohlen, Stiefel, Sättel oder Ranzen. Lohgares Leder ist kaum elastisch, dafür gewinnt es beim Gerben durch Verringerung der Fläche an Dicke und wird sehr widerstandsfähig gegen Wasser und schwache Säuren. Weil mit Eichenlohe gegerbtes Leder rot bis braun ist, bezeichnete man die Lohgerber oft auch als Rotgerber.

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