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Flucht aus der DDR

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Wer tollkühn aus dem Gefängnis DDR entkommen war, wurde drüben wie ein Held gefeiert. Die Medien berichteten gern über spektakuläre Erfolge:

Ballonfahrt in die Freiheit! Per Luftmatratze über die Elbe!
Oder: Massenflucht durch Berliner Tunnel!

Nach dem Bau der Mauer 1961 konnten rund 40.000 Menschen auf verschiedensten Wegen fliehen, auch über die Grenzen anderer sozialistischer Staaten. Doch mindestens dreimal so viele Menschen scheiterten. Über sie ist weniger bekannt.

Viele der Mutigen wurden schon während ihrer Fluchtvorbereitungen von der Volkspolizei geschnappt und verhaftet. Andere wurden beim Grenzdurchbruch gestoppt – lebend oder tot.

Die Grenzsoldaten hatten den Befehl, nach einem Warnschuss scharf zu schießen. Doch es ging noch grausamer: Flüchtende wurden von Tretminen zerfetzt – oder von Metallsplittern der Selbstschussanlagen durchsiebt, die an den Zäunen befestigt waren.

Michael Gartenschläger gelang es zweimal, solch eine Splittermine abzubauen. Seine dritte Aktion endete tödlich.

Wie viele Menschen an der innerdeutschen Grenze umkamen, ist unklar. Die Zahl der Toten und die Einzelschicksale dahinter werden noch erforscht. Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin liegen rund 1.200 Verdachtsfälle zu Todesopfern vor – darunter geschätzt 70 Prozent DDR-Bürger, die auf der Flucht starben.

Auch hier in der Region spielten sich Fluchtdramen ab. Bis heute sind 17 Todesfälle bekannt.

Die Menschen wussten, was sie riskierten. Sie trafen eine extreme Entscheidung: Lieber tot als eingesperrt.

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