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James Edward Marston, gebürtiger Londoner, der in Hamburg als Privatlehrer für englische Sprache und Literatur lebte, veröffentlichte 1834 ein kleines Bändchen mit dem Titel „Des Hamburgischen Dampf-Boots Gefährte“. Darin betonte er, dass es ungemein angeraten sei,
die Stadt Otterndorf, als Hauptort des fruchtbaren Landes Hadeln, zu besuchen. Der Ort sei wahrlich ein recht freundliches Städtchen. Vorzüglich überrasche in Otterndorf der freundliche Wall, ein Spaziergang, der weite, liebliche Ansichten darbiete, und der beweise, dass die Einwohner der Stadt Sinn für Naturschönheit hätten.
Um 1750 hatten die Otterndorfer ihre alten Wallanlagen, die die Stadt im späten Mittelalter vor Feinden geschützt hatte, mit Bäumen bepflanzt, um sie zur naturnahen Flaniermeile umzufunktionieren.
Allerdings ging die Nutzung von Norderwall und Süderwall zunächst recht unterschiedliche Wege. Auf dem Norderwall wurden nämlich noch bis ins 20. Jhd. Schiffstaue oder auch Reepe gedreht, d.h. der Norderwall ist nichts anderes als die Otterndorfer Reeperbahn!
Der Süderwall hatte hingegen eher etwas Feinsinniges. Um 1800 entstanden dort Gartenhäuser wohlhabender Familien, sogenannte „Lusthäuser“. Nach dem Gartenspaziergang „verlustierten“ sich hier die Damen beim Kaffee, Kuchen und feinen Handarbeiten.
Mit einem dieser alten klassizistischen Lusthäuser, das, umgeben von Hausgärten und von der Parkanlage "Eschweide", direkt am historischen Süderwall liegt, hat es eine besondere Bewandtnis. 1982/1983 wurde es instandgesetzt, modernisiert und als Wohnung eingerichtet. Es verfügt über ein ca. 30 qm großes lichtdurchflutetes Wohn- und Arbeitszimmer im Erdgeschoss, Küche und Bad sind im ausgebauten Kellergeschoss untergebracht.
Damit war die Grundlage geschaffen für eine besondere Art der Kulturförderung. Seit 1985 vergibt die Stadt Otterndorf für dieses Gartenhaus am Süderwall jedes Jahr ein Stipendium an eine Schriftstellerin oder einen Schriftsteller, das einerseits den kostenlosen Aufenthalt von Mai bis September umfasst als auch einen Geldbetrag, um den sorgenfreien Unterhalt zu gewährleisten.
Die Stipendiaten haben die Möglichkeit, fünf Monate lang abseits ihres sonstigen Alltags Ideen zu entwickeln oder Projekte zu verwirklichen. Die einzige Gegenleistung, die sich die Stadt Otterndorf wünscht, ist, dass die Stipendiaten jeweils am Anfang und am Ende ihrer Zeit am Süderwall eine öffentliche Lesung halten.

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