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Die Kirche von Westerholt ist eine der ganz alten Kirchen Ostfrieslands. Allein dass sie auf einer 5m hohen Warft liegt, macht deutlich, dass sie auf eine Zeit verweist, in der es noch keine Sicherheit des Deiches gab und man das, was man bewahren wollte, mit viel Aufwand vor den Fluten des nahen Meeres schützen musste. Die Kirche lag an dem alten Heerweg von Norden nach Esens und war damals noch von keiner Siedlung umgeben. Damit hängt wohl auch die Sage zusammen, die man sich über ihre Gründung erzählt: Die Bauern aus Westerholt und Nenndorf wollten zusammen eine Kirche bauen, konnten sich aber über den Platz nicht einigen. Da koppelte man gegen Abend aus beiden Dörfern jeweils einen Ochsen zusammen und überließ sie dann an der Grenze sich selbst. An der grasreichen Stelle, wo man die beiden am anderen Morgen käuend fand, bekam die Kirche ihren Platz. Und wer weiß? Vielleicht ist es ja wirklich so oder ähnlich abgelaufen!
Dass unsere Westerholter Kirche sehr alt ist, kann man auch an ihrem Baubestand ablesen. Die nach oben abschließenden Rundbögen an Tür- und Fensteröffnung weisen in die Romanik, den Baustil des 13. Jhds. Dass unsere Kirche tatsächlich noch älter ist, fand man heraus, als man eine Fußbodenheizung verlegte. Dabei stieß man nämlich auf die Fundamente eines Vorgängerbaus aus Holz.
Der Turm der Kirche kam erst später hinzu, wohl als Tor für den Kirchhofbereich. Wann er seine Funktion als Glockenturm erhielt, ist schwer zu sagen, zumal die alte Glocke der Kirche seit dem 30jährigen Krieg verschwunden ist.
Ein Stück Graben im Osten der Kirchwarft, erzählt noch von einer weiteren Funktion der Kirche. In Landschaften, in denen Stein als Baumaterial knapp ist, waren die Kirchen oft die einzigen wirklich festen Bauten und konnten als solche auch militärischen Zwecken dienen. Hero Omken, Häuptling aus Esens, hatte die Kirche als Stützpunkt gegen den ostfriesischen Grafen Edzard befestigt. Im Jahr 1496 kam es zum Sturm auf die Kirche, wobei sich Heros Krieger nach Kräften wehrten. Die Sage erzählt, dass Graf Edzard ein geweihtes Kreuz unter seinem Harnisch trug, das ihn unverwundbar machte. Deshalb beschossen ihn die Verteidiger der Kirche schließlich mit einer Kanone. Ein treuer Dienstmann Edzards, der bei seinem Einsatz das Bein verlor, soll ihn damals gerettet haben. Der Sturm auf die Kirche gelang, aber besiegt war Hero Omken damit noch lange nicht.
Angesichts einer langen bewegten Geschichte ist es kein Wunder, dass die Kirche über kein mittelalterliches Inventar mehr verfügt, allerdings existiert an der Südwand noch ein bemerkenswerter Rest mittelalterlicher Malerei. Auch stammt die Kanzel bereits aus dem 16. Jhd. und ist damit die vielleicht älteste Kanzel Ostfrieslands.
Übrigens ist über die rauen Zeiten hinweg auch noch etwas anderes verloren gegangen. Man weiß heute nicht mehr, wie die Kirche zurzeit ihrer Erbauung hieß und welchem Heiligen sie geweiht war. Im Volksmund hieß sie wegen ihrer kargen Ausstattung und der Schäden nach der Belagerung durch Graf Edzard lange nur „Elendskirche“. Da ist der neue Name, den man ihr im Jahre 2009 gegeben hat, doch deutlich schöner. Sie heißt nämlich seitdem „Friedenskirche“.

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