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Bitte lächeln: Ein Selfie aus der Zukunft

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Na sowas! Wo bin ich denn hier gelandet? Aaah, Anfang 21. Jahrhundert. Naja, hat sich alles schon ganz schön verändert. Wissen Sie, ich war nämlich eben noch auf Reisen. Bei Ihrem primitiven Stand der Technik werden Sie es mir bestimmt kaum glauben, aber ich reise in der Zeit. Jawohl. Das ist in meiner Kultur gewissermaßen Volkssport. Man reist durch die verschiedenen Zeiten, macht schnell ein Selfie und weiter geht´s!

Was, glauben Sie nicht? Hier ist der Beweis: meine Selfies. Sehen Sie, so sieht´s hier vor 190000 Jahren aus. Da der kleine dunkle Punkt auf dem riesigen Eisgletscher, das bin ich! Diese Zeit nennt man die Saale-Eiszeit, sehr ungemütlich! Damals schob der Gletscher die gesamten Ankumer Höhen vor sich her und die Dammer Berge noch dazu, ein echtes Monster, sage ich Ihnen.

Und weiter geht´s, ach hier, ja, da dachte ich erst, ich hätte meinen Chronometer falsch eingestellt. Da war es nämlich schon wieder eiskalt, als ich ausstieg. Das lag aber nur daran, dass ich die nächste, nämlich die Weichsel-Eiszeit vor 25000 Jahren abgepasst hatte. Die Gletscher waren nicht noch einmal bis hierher gekommen, stattdessen gab es eine Trundra mit Permafrostboden. Ebenfalls lausig kalt! Sehen Sie? Hier vorne bin ich und das da hinten sieht mir ganz nach einer Mammut-Herde aus! Großartig!

Ach ja, und hier ist der Stand vor 5000 Jahren. Da war es ja viel wärmer, große Wälder aus Eichen, Linden und Ulmen gab es hier. Zu dieser Zeit begannen die Menschen in diesen Breiten mit dem Ackerbau.

Und da bleiben wir gleich beim Thema: Schauen Sie, was die Landwirtschaft des Menschen über die Jahrtausende so alles bewirkt hat. Hier, vor 500 Jahren, das Klima war so wie heute, aber die großen Wälder sind vielfach verschwunden. Viele Äcker und Heide sind zu sehen.

Und heute? Schauen Sie sich doch einmal um: Die ganze Landschaft ist mittlerweile wie ein riesiges Mosaik aus Nutzflächen, Siedlungsgebieten und Straßen. Ganz viel ist von der Natur nicht mehr übrig.

Und da kann ich Ihnen nur einen Rat aus der Zukunft geben: Passen Sie auf, dass Sie Ihre Natur nicht völlig zerstören! Das rächt sich auf die Dauer furchtbar. Und lassen Sie sich den Klimawandel durch die Jahrtausende eine Lehre sein. Solange sich das Klima langsam wandelte, konnte die Natur immer darauf reagieren. Aber das, was Sie hier momentan mit dem Treibhauseffekt anstellen, führt zum größten Massensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier!

Nee, nee, nee! Kommen Sie mir bloß nicht auf die Idee, mich nach der Zukunft zu fragen. Das müssen Sie schon selber herausfinden. Ich muss ohnehin weiter! Schnell noch ein Selfie: Ja, kommen Sie mit drauf, dann haben meine Leute zuhause was zu lachen! So, das haben wir. Machen Sie´s Beste draus!

Viel Sand macht noch keinen Berg - oder doch?

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Boa, ist das kalt! Nicht zu fassen, regelrecht eisig! – Ist ja auch kein Wunder, wenn ich mir die Gegend so ansehe!

Zugegeben, wenn gerade der helle Sonnenschein auf den Ankumer Höhen liegt, scheint die eisige Kälte tatsächlich sehr weit weg zu sein. Ist sie in gewisser Weise auch, nämlich etwa 190000 Jahre, als die Saale-Eiszeit herrschte. Und trotzdem ist die Eiszeit bei uns noch sehr präsent, denn sie ist der Schlüssel zum Verständnis der hiesigen Landschaft. Das gilt insbesondere für die Anhöhen, auf denen Sie gerade stehen.

Es gibt im Natur- und Geopark TERRA.vita drei markante Höhenzüge: Einerseits den Teutoburger Wald und das Wiehengebirge, die durch tektonische Bewegungen der Erdkruste aufgefaltet wurden, und andererseits die Ankumer Höhen unter unseren Füßen. Diese sind die im Gegensatz den beiden Erstgenannten ganz anders entstanden, nämlich durch Anhäufung von Sand und steinigem Geröll. Die Frage ist nur, wie sie hierhergekommen sind.

Unsere Höhen sind gewissermaßen Einwanderer, und zwar aus dem Hohen Norden. Während der Saale-Eiszeit schoben sich riesige Gletscher aus dem Norden Skandinaviens in Richtung Süden. Dabei wurden teilweise hausgroße Felsblöcke vom Gletschereis aus den skandinavischen Gebirgen herausgerissen und mit dem Eis weiter nach Süden transportiert. Auf ihrer rund 1.000 Kilometer langen Reise wurde das Gestein zu Sand und Kies zerkleinert. Größere Felsblöcke wurden rund geschliffen und zu sogenannten Findlingen, manche von ihnen noch immer beeindruckend groß. Als zum Ende der Saale-Eiszeit das Klima wärmer wurde, schmolz das Eis wieder ab und die Gletscher zogen sich in Richtung Norden zurück. Alles das, was der Gletscher jedoch vor sich hergeschoben oder mitgebracht hatte, das ließ er einfach liegen. Ein riesiger u-förmiger Wall war entstanden, eine sogenannte Stauchendmoräne mit fast 35 Kilometern Durchmesser.

Die Ankumer Höhen sind der westliche Teil der großen Stauchendmoräne, die Dammer Berge, die Sie bei guter Sicht östlich von hier erkennen können, bilden das östliche Gegenstück. Zwischen ihnen liegt das Flachland des ehemaligen Gletscherbeckens, das heutige Artland.

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