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Die Uelsener Windmühle ist eine der wenigen Mühlen weit und breit mit einem Adelstitel - wird sie doch die „fürstliche“ Mühle genannt.
Zudem ist selbst die Bauart dieser Mühle von einer gewissen Besonderheit. Es handelt sich nämlich nicht mehr um eine dieser altertümlichen Bockwindmühlen, deren gesamter Mühlenkasten aufgebockt ist, um ihn bei Bedarf richtig in den Wind zu drehen. Nein, diese Mühle ist eine moderne Holländerwindmühle, deren Kappe man technisch elegant in den Wind justieren kann. Außerdem ist unsere Mühle ein Erdholländer mit besonders schönen, langen Flügeln, die fast bis zum Boden reichen…
Gut, man muss ehrlicherweise eingestehen, dass die Sache mit dem Adelstitel dann doch ein wenig geflunkert ist. Daher zurück zu den Fakten: Im Jahre 1748, noch zu Regierungszeiten der Bentheimer Grafen, wurde die Mühle erbaut, und zwar auf Betreiben des Uelsener Bürgermeisters Gerrit Bremann. Er erhielt die Genehmigung des Grafen, auf einem der Uelsener Hügel eine Mühle zu bauen, allerdings auf eigene Kosten, wofür er 20 Jahre pachtfrei bleiben sollte. Nur geschah aber in der Folgezeit einiges, was die Pläne aller Beteiligten nachhaltig durcheinanderbrachte. Bremann und sein Graf hatten nämlich eines gemeinsam: Sie hatten sich finanziell völlig verhoben! 1753 musste Friedrich Karl von Bentheim seine Grafschaft an den Kurfürsten von Braunschweig und Lüneburg auf vorerst 30 Jahre verpfänden. Und Bremann war von der horrenden Bausumme für seine Mühle derart überfordert, dass er seine Besitzrechte letztendlich an eben diese neue Landesherrschaft abtreten musste. In der Folgezeit wurde die Mühle über viele Jahrzehnte an unterschiedliche Pächter vergeben.
Übrigens hatten auch die Bentheimer Grafen ihre Herrschaft dauerhaft verloren. Sie ging 1815 endgültig auf Hannover über und später auf Preußen.
Und doch gibt es für die Beteiligten gewissermaßen ein „Happy End“: Das Bentheimer Grafenhaus wurde schließlich in den Fürstenstand erhoben, womit sich der schmückende Titel unserer Mühle erklären lässt. Und auch die Mühen des wackeren Bürgermeisters Bremann waren keineswegs vergebens, denn erst nach sage und schreibe 180 Jahren Nutzung wurde 1928 der Mahlbetrieb eingestellt und die Mühle samt Gelände verkauft.
Später kam beides glücklicherweise in den Besitz der Gemeinde Uelsen, so dass die Erhaltung der alten Mühle gelang. Nach aufwändiger Renovierung unter wesentlicher Federführung des Heimatvereins konnte am Pfingstmontag 2019, dem "Deutschen Mühlentag", die frisch renovierte Windmühle feierlich eingeweiht und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Nach über 91 Jahren drehten sich ihre Flügel an diesem Tag zum ersten Mal wieder.

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