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Seit dem Mittelalter wurde überall in Deutschland das Korn mit der Kraft des Wassers gemahlen. Und das blieb der technische Stand der Dinge, bis sich erst in der frühen Neuzeit von den Niederlanden her die Errungenschaft verbreitete, den Wind als Energiequelle nutzen zu können. Das heißt, wir haben es bei der Wassermühle und dem Mühlenteich an der Höcklenkamper Straße in Uelsen mit einer Erinnerung an eine vormoderne, ferne Vergangenheit zu tun, als die Herrscher dieser Gegend noch als Grafen auf ihrer Burg im nicht allzu weit entfernten Bentheim residierten.
Im Jahr 1583 wird die Mühle zum ersten Mal urkundlich erwähnt, und zwar zusammen mit ihrer Schwestermühle, die ein Stück weit den Linnenbach aufwärts gelegen hat. Auch diese zweite Mühle hatte einen Teich, in dem der Bach aufgestaut wurde, um eine größere Fallhöhe des Wassers und damit einen kräftigeren Antrieb für die Mühle zu gewährleisten. Ein Überrest dieses zweiten Teiches ist gewissermaßen das heutige Uelser Waldbad, das seit einer Reihe von Jahren eine regelrechte Badelandschaft bietet und längst seinen sehr beschaulichen Anfängen entwachsen ist, die noch der Heimatdichter Ludwig Sager in romantischer Weise verklärend beschreibt.
Über viele Jahrhunderte versahen die Mühlen getreulich ihren Dienst. Dabei wird es eine Vielzahl von Erneuerungen und Umbauten gegeben haben. Dennoch behielten die beiden Schwestermühlen den Charme des Althergebrachten.
1889 wurde die westlichere, weiter oben gelegene Mühle nach langjährigem Stillstand verkauft und abgebrochen.
Von der unteren Wassermühle wird zur selben Zeit jedoch noch berichtet, sie sei »fast täglich in Betrieb«. Erst 1937 kündigte der letzte Pächter Jan Albert Leferink seinen Vertrag wegen geringen Geschäftsumsatzes. In der Folgezeit blieb das Mühlengebäude unbenutzt und verfiel allmählich. Schließlich war es so baufällig geworden, dass es 1953 auf Abbruch verkauft wurde. Bald erkannte man jedoch, dass damit dem historischen Baubestand Uelsens ein schmerzlicher Verlust zugefügt worden war. Deshalb beschloss man in den 70er Jahren, das alte Mühlengebäude wiedererstehen zu lassen - allerdings ohne Mahlwerk. Heute wird die Mühle als Veranstaltungsort genutzt. Die angrenzenden weitläufigen Spazierwege laden zum Erkunden der idyllischen Umgebung ein.

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