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An einem am Fuße des Stemweder Berges durch den Ortsteil Osterheide führender Radweg, liegt ein nach dem berühmten Heidedichter Hermann Löns benannter Rastplatz. Ein idealer Startpunkt um zum Beispiel mit dem Fahrrad die Stemweder Parklandschaft oder die Dümmer Region zu erkunden.

Nordöstlich zwischen Stemweder Berg und Oppendorfer Fledder gelegen, schließt sich die Osterheide im nördlichen Verlauf direkt an die Ortschaft Brockum übergangslos an. In Überlieferungen aus dem frühen Mittelalter wird über eine von Brockum kommende und nach Oppendorf führende Schafstrift entlang des Ostenberges durch die Osterheide berichtet, die wiederum den heutigen Radweg darstellt. Hier wurden schon von je her Schafe in die Heide, sowie Schweine zur Hude in den angrenzenden Forst getrieben. Noch bis in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hinein, gehörten viele unberührte und brachliegende Heideflächen sowie darauf grasende Schaf und Heidschnucken mit zum typischen Erscheinungsbild in dieser Heidelandschaft. In den frühen Jahren zwischen 1820 und 1900 wurden hier verstärkt Flächen von Neusiedlern erworben und bewirtschaftet. Die heutige Osterheide ist streubesiedelt und ist überwiegend von der Landwirtschaft geprägt. Auf den armen und zum Teil kargen Sandböden werden Getreide, Mais, Kartoffel aber auch Spargel angebaut. Bei der Flurbereinigung Ende der siebziger Jahre wurden Teile der Heide insbesondere der Fledder durch Trockenlegung nachhaltig verändert. Ihre Narben sind noch immer präsent.

Seit einigen Jahren aber, gilt der anliegende Oppendorfer Fledder und die angrenzende Diepholzer Moorniederung jedes Jahr im Herbst als ein bevorzugter Kranichrastplatz. Faszinierende Beobachtungen, die selbst europaweit Beachtung finden sind hier zu machen. 

Funde aus der Stein- und Bronzezeit zeugen darüber hinaus von einer sehr frühen Besiedelung dieses sandigen Ödlandes. Denn schon in der zweiten Hälfte des vorletzten Jahrhunderts beschäftigte sich der Arzt und Heimatforscher Dr. Oskar Brosin sehr intensiv mit archäologischen Aktivitäten in der Heide. Viele wichtige und interessante Funde wurden hier durch ihn gemacht und gesammelt. Einiges kam nach seinem Tod in verschiedene Museen oder blieb in Privatbesitz. Heute wissen wir, dass große Teile der Sammlung von Dr. Brosin verloren ging bzw. nicht mehr zu identifizieren ist.

Erst in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde hier wieder kräftig gegraben. Angeregt durch ortsansässige Bauern, die in Folge der Urbarmachung des Ödlandes interessante Funde machten, wurde nun über Jahre hinaus der bekannte Archäologe Professor Langewiesche tätig. Dieser hat in dieser Zeit hier sehr erfolgreich gearbeitet und dabei noch einige in der Heide liegende Hügelgräber ausfindig machen können. Sogar eine Pfahlsiedlung vermutete dieser hier an dieser Stelle

Viele Urnen und insbesondere Gebrauchsgegenstände aus der Stein- und Bronzezeit wurden durch Ihn gemacht und gemeldet. Auch hier ging leider wieder vieles, auch bedingt durch die letzten Kriegswirren, unwiederbringlich verloren.

Nun nochmal ein kleiner Hinweis auf einen Mann der in den Jahren 1853 bis 1895 hier fast genau an dieser Stelle gelebt und gewirkt hat. Es handelt sich um keinen geringeren als Heinrich Friedrich Busberg, am 30.10.1824 als Sohn eines hiesigen Korbmachers geboren, war dieser später Haarschneider aus Passion und aus Inspiration Wahrsager und Zauberer.

Hier zu Lande genannt „dei oule Busberg“

Über Busbergs Jugend ist nichts bekannt. Seine Militärzeit verbrachte er in Luxemburg, wo Preußen eine Garnison unterhielt. Von dort brachte er auch seine erste, sehr beliebte Frau mit. Die aber schon sehr früh am 31.12.1858 verstarb. Seine zweite Frau die er am 02.04.1869 heiratete, kam aus dem benachbarten Brockum.

Heinrich Friedrich Busberg war ein begnadeter und weit über die Landesgrenze bekannter Wahrsager, Wunderdoktor und Zauberer, der seine Künste wie er selbst sagte, aus Luxemburg mitgebracht hatte. Seine Taten waren im norddeutschen Raum sehr bekannt, so dass viele Leute von weit her hier an diese Stelle kamen, um sich Rat zu holen, sich besprechen zu lassen oder um ihre Zukunft vorhersagen zu lassen. Auch im eigenen Ort hat er oft für viel Aufregung gesorgt, da er zum Teil in nächtlichen Obsessionen und unter Einfluss von alkoholischer Elexiere Speukenkiekerei betrieb.

Hier nun ein Original überliefertes Beispiel seiner Zauberkunst.

Die oule Busberg könn lebendige Müüse maken. Hei was eis inne Wirtschaft wesen; hei was oll niich mäer ganz nöchtern. Dou löute met- eiß witte Müüse upm Diske herümmeloupen und dou düe die ganze Stoem. Die annern oawer sind olle uute Schenkstoem her- uutloupen.

Et was un unheimlichen Minske.

Über den „oulen Busberg“ gibt es noch viele, zum Teil sehr spektakuläre Geschichten zu berichten.

Der „alte Busberg starb am 15. Juli 1895 fast 71jährig hier in der Heide an Altersschwäche. Da nach seinem Tod, seine Frau und alle weiteren Nachkommen nach Amerika auswanderten, ist in hiesiger Gegend der Name der Familie gänzlich ausgestorben.

Er selbst, der weitberühmte Zauberer, ruht seit dieser Zeit friedlich auf dem Friedhofe zu Oppendorf.

Stemwede, 24.11.19

F. Bohne

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