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Willkommen im schönen Uelsen! Hier stehen Sie genau im Zentrum des Ortes mit seinen zwei bedeutendsten historischen Bauten.
Die evangelisch-reformierte Kirche ist das älteste Gebäude Uelsens. Die unteren Teile des Kirchturms sind sogar noch romanisch, was bedeutet, dass sie sehr alt sind und spätestens aus dem 13. Jhd. stammen. Das Kirchenschiff wie auch das Westportal sind dagegen gotisch. Es wird also eine Phase des Umbaus gegeben haben, die um 1500 im Wesentlichen abgeschlossen war. Der Gottesdienstraum ist betont schlicht gehalten, was mit der Einführung des reformierten Bekenntnisses im Jahr 1588 zu tun hat, denn bei den Reformierten sind Bilder in der Kirche verpönt, da sie lediglich als Ablenkung von dem reinen Worte Gottes gelten.
Der Kirchturm hat heute noch die imposante Höhe von 52 m. Dabei war er früher sogar fast doppelt so hoch. In der Gewitternacht des 17. Februar 1683 wurde er jedoch durch einen Blitzschlag schwer beschädigt und nicht in der ursprünglichen Höhe wiederaufgebaut.
Der Kirchenbau weist noch andere interessante Details auf: An der südlichen Kirchenmauer sieht man außen im Mauerwerk mehrere Rillen, die "Pestrillen" genannt werden. Man erzählt sich, dass, als im 17. Jhd. die Pest in Uelsen wütete, die Menschen in ihrer Verzweiflung zur Kirche gingen, um dort Staub von der Mauer abzuschaben und in Wasser gelöst zu trinken. So hoffte man der furchtbaren Krankheit durch den Segen Gottes zu entkommen.
Auffällig ist zudem das sog. „Grouwenkerken“, heute das Hauptportal der Kirche, zu katholischer Zeit aber noch die Unterbringung eines Seitenaltars zur Heiligenverehrung.
Interessant ist im Inneren auch die Kanzel mit ihren altniederländischen Inschriften.
Als 1668 Ernst Wilhelm von Bentheim zum katholischen Glauben übertrat, wollte er in seiner Grafschaft alle reformierten Geistlichen durch katholische ersetzen. Die Grafschafter Pastoren wandten sich jedoch mit einem Hilferuf an die mächtigen Niederlande. Folge war, dass die reformierten Geistlichen im Amt blieben und das Niederländische noch bis ins 20. Jhd. hinein sowohl Kirchen- als auch Schulsprache blieb.
Das hübsche kleine Haus mit Türmchen und dem Ortswappen über der Eingangstür ist das alte Rathaus. Ein Sandsteinbogen an der Westseite des Hauses gibt die Jahreszahl 1649 an, was vermutlich auf das Baudatum verweist. Das Haus diente lange Zeit einer Reihe von Zwecken gleichzeitig, so war es Rathaus als auch Schule so wie der Ort für den Konfirmandenunterricht. Als der Kirchturm durch den Blitzeinschlag zerstört worden war, wurde ihm der kleine Glockenturm aufgesetzt, um übergangsweise die Gläubigen zum Gottesdienst zu rufen. Seit 2005 hat die Uelsen Touristik hier ihr Büro. Zudem finden hier regelmäßig Ausstellungen und Konzerte statt. Im Obergeschoss gibt es darüber hinaus ein stimmungsvolles Trauzimmer des Standesamtes Uelsen.

Die Pijkmaier

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Die Hollandgänger oder Pikmäijer gehörten über Jahrhunderte zu Uelsen wie die Jahreszeiten, in denen sie unterwegs waren. Diese Wanderarbeiter kamen hauptsächlich aus den Landstrichen Nordwestdeutschlands, wo wenig fruchtbare Böden oft nur geringe Erträge abwarfen. Hinzu kam, dass der ländliche Raum den Bevölkerungszuwachs seit dem 17. Jhd. nicht mehr bewältigen konnte. Gutes Ackerland war und blieb knapp. In der Folge fristete eine zunehmende Anzahl von Kleinbauern ihr Leben, die von dem Boden, den sie bewirtschafteten, kaum leben konnten. Auch gab es immer mehr landlose Heuerlinge.
Die einzige Möglichkeit, sich über Wasser zu halten, war für viele, über die Sommermonate eine anständig bezahlte Arbeit in den vergleichsweise reichen Niederlanden zu finden. Daher war insbesondere das Frühjahr die Zeit, in der die Hollandgänger oder „Pikmäijer“ auf ihrem Weg Richtung Holland in Uelsen auftauchten. Das Wort "Pik" kommt vom niederdeutschen Wort für Pech. Pech diente als Haftungsmittel für den Schmirgelsand am Sensenschärfer. Die Bezeichnung macht deutlich, dass die Wanderarbeiter oft, wenn auch nicht nur, in der Landwirtschaft eingesetzt waren. Gleichzeitig ist die Bezeichnung nicht sehr schmeichelhaft, zumal Pech bekanntermaßen ziemlich penetrant stinkt. Interessanterweise kommt diese Bezeichnung nur im Niedergrafschafter Raum vor.
Auf der von Frachtfuhren und Gruppen von Hollandgängern sehr frequentierten Straße von Lingen über Wietmarschen, Neuenhaus, Uelsen, Itterbeck zur holländischen Grenze nach Vennebrügge waren zeitweise tausende von Wanderarbeitern unterwegs. Oft kam es vor, dass in einer Nacht über 300 Personen in Uelsen ihr Nachtquartier nahmen. Für die Gasthäuser war dieses Klientel natürlich willkommene Kundschaft, wobei der Magistrat in Uelsen ein gewisses Auge auf die Gepflogenheiten hielt. So erzählt man sich davon, dass die Tochter eines der Gastwirte ganz besonders aktiv hinsichtlich der Kundenwerbung war, was man im Allgemeinen nicht für schicklich hielt!
Tatsache ist, dass die Pikmäijer nicht nur durch Uelsen hindurchzogen, sondern auch einige hier hängengeblieben sind, wie das Namensverzeichnis der heutigen Einwohner Uelsens beweist.
Sobald in Deutschland die Industrialisierung Einzug hielt und zunehmend Arbeitskräfte gebraucht wurden, nahm der Zug Richtung Holland ab. Um die Wende zum 20. Jhd. versiegte allmählich die alljährliche Wanderbewegung, die für gut 200 Jahre ganz selbstverständlich gewesen war.
Die Bronzeplastik vor der Gaststätte Rosenthal mit dem Titel „Pikmäijer“, die 1997 von dem Künstler Leo Janischowsky gestaltet wurde, erinnert an die Zeit der Hollandgänger und an ihre Route, die durch Uelsen führte.

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