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Am frühen Morgen des 11. Juli 1975 brachen 38 Kinder des pfälzischen Jugendrotkreuzes mit ihren drei Betreuerinnen von Schillig aus ins Watt auf. Offenbar waren sie sich der Gefahr, in die sie sich begaben, in keiner Weise bewusst, zumal sie sich ohne ortkundige Führung auf den Weg machten. Sie wanderten bei Ebbe Richtung Wangerooge und merkten erst viel zu spät, wie schnell das auflaufende Wasser der Springtide mit der Flut kam und ihnen den Rückweg abschnitt. Die Lage wurde bald dramatisch. Die älteren Kinder mussten die kleineren tragen, damit sie nicht ertranken. Es war letztlich pures Glück, dass der Fischkutter „Seestern“ in der Nähe kreuzte. Die Fischer glaubten zuerst Möwengeschrei zu hören, bis ihnen klar wurde, dass dort Kinder um ihr Leben schrien! Über Funk gaben sie den Notruf weiter und taten im schwierigen Fahrtwasser vor Ort, was sie konnten.
In Jever, wo Hubschrauber des Ahlhorner Search-And-Rescue Kommandos des HTG 64 stationiert waren, ging die Meldung ein: „Kinder im Watt bei Schillig!“ Jetzt musste alles rasend schnell gehen.
Die beiden Hubschrauber vom Typ Bell UH-1D starteten und kreisten nur Minuten später über den in Not Gerateten. Der erste der beiden Hubschrauber wurde so tief über das Wasser gesteuert, dass der Luftretter herausspringen konnte. Bis zur Hüfte im Wasser stehend sorgte er dafür, dass ein Kind nach dem anderen nun in den Hubschrauber gezogen werden konnte. Pilot Helmut Bebensee erinnert sich viele Jahre später: „Was wir dabei gedacht oder gefühlt haben, kann ich heute nicht mehr sagen. Man war ja so sehr darauf konzentriert, den Hubschrauber im Schwebeflug zu halten und mit der Rettung beschäftigt!“
Im wirklich allerletzten Moment waren 18 der Kinder von den SAR-Hubschraubern gerettet worden, alle anderen außer einem 9-jährigen Jungen hatten es mit Glück auf den Fischkutter und auf weitere zu Hilfe eilende Boote geschafft.
Das Erlebnis war für alle Beteiligten einschneidend. Noch 50 Jahre später sagte einer der damals Geretteten: „Ins Watt bin ich nie wieder, mein ganzes Leben nicht.“ Umso tiefer war jedoch die Dankbarkeit gegenüber den Rettungsfliegern der SAR.