Wenn ein Luftschiff über einer Ortschaft schwebte, war das ein Anblick, der niemanden kalt ließ: ein riesiges, geradezu unwirklich erscheinendes zigarrenförmiges Gebilde, das mit majestätischer Gravität und dennoch zielstrebig über den Himmel driftete. Und das zu einer Zeit, in der Technik und ihre Errungenschaften noch ganz unbedarft als etwas Wundervolles und Begeisterndes galten.
Der erste Zeppelin wurde im Jahr 1900 in Friedrichshafen am Bodensee gebaut und nach seinem Erbauer benannt. Es dauerte nicht lange und auch die Militärs interessierten sich für die Luftschifftechnik. So wurde bereits 1909 der erste Zeppelin für die Marine in den Dienst gestellt.
Durch die große Höhe, die das Luftschiff erreichen konnte, galt es zu damaliger Zeit als nahezu unangreifbar, denn weder konnte man gezielt so hoch schießen noch gab es zunächst Flugzeuge, die in diese Höhe steigen konnten. Auf diese Weise konnten die Luftschiffe ungefährdet den gesamten Nordseebereich befahren und auskundschaften. So zumindest die Theorie. In der Praxis war so ein Zeppelinflug allerdings ein echtes Abenteuer. Das fing schon mit dem Startmanöver an. Das riesige mit Wasserstoff gefüllte Luftschiff musste heil aus seiner Halle herausbugsiert werden, was bei ungünstigen Windverhältnissen zu einem echten Kunststück wurde. Flughöhen von 5000m und darüber hinaus waren für die Mannschaft eine wahre Tortur. Unablässige Anspannung, eisige Kälte und die dünne Luft machten den Männern bis zur Ohnmacht zu schaffen. Es wird berichtet, dass nach längerer Fahrt Kot und Urin gefroren in den Unterhosen der Mannschaft steckten und die Luftschiffer sich nach der Landung beeilten, diesen Ballast loszuwerden, bevor er auftaute.
Ahlhorn war einer von mehreren norddeutschen Standorten der Marine-Luftschiff-Abteilung. 1915, ein Jahr nach Ausbruch des 1. WKs, wurde hier auf der grünen Wiese ein Flugfeld mit nacheinander sechs riesigen Hallen, Quartieren und Logistik aus dem Boden gestampft. Der Standort Ahlhorn konnte mit insgesamt zwölf Luftschiffen belegt werden, einem nicht unerheblichen Teil der Gesamtflotte. Zigtausende von Flugkilometern wurden von Ahlhorn aus absolviert. Dennoch ist nicht zu verschweigen, dass der Einsatz der Luftschiffe unter Kriegsbedingungen äußerst schwierig war. Alliierte Flugzeuge, nahmen sie, sobald es ihnen nur halbwegs möglich war, ins Visier, darüber hinaus sorgten Unwetter für Havarien. - Kaum eine Waffengattung erlitt im 1. WK ähnliche Verluste wie die Luftschiff-Abteilung. Dazu trug die Technik einen wesentlichen Anteil an der Gefahr in sich selbst, denn Wasserstoff und Sauerstoff bilden zusammen ein hochexplosives Gemisch.
Wie es genau passierte, ist nie ganz geklärt worden, doch am 5. Januar 1918 ereignete sich in Ahlhorn eine gewaltige Explosion, die bis nach Oldenburg und Bremen zu hören war!
Ein Funkenflug hatte den Wasserstoff, der die Luftschiffe in die Höhe trug, entzündet. 5 Luftschiffe zerbarsten in einem Feuersturm, mit ihnen die Hallen, die sie beherbergten.