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Der Bell UH-1 ist ein leichter Mehrzweckhubschrauber, der in den 1950er Jahren ursprünglich für die US-Armee insbesondere zur Evakuierung Verwundeter entwickelt worden war. Seit 1968 flog er auch für die Bundeswehr. Der Helikopter erfreute sich wegen seiner günstigen Flugeigenschaften und seiner Flexibilität großer Beliebtheit. Bei Piloten und Kennern des Genres war er als „Huey“ bekannt, angelehnt an seine ursprüngliche Bezeichnung HU-1, oder auf Englisch: "Chu“ 1. Ein anderer Kosename bezog sich darauf, dass der Helikopter durch seinen Antrieb mit nur zwei Rotorblättern ein typisches stakkatohaftes Fluggeräusch erzeugte, das entfernt an das Ausklopfen eines Teppichs erinnerte. „Huey“ war also demnach ein „Teppichklopfer“!
Nach Ahlhorn kamen die „Hueys“ ab Sommer 1971, als das Hubschraubertransportgeschwader, kurz: „HTG“ 64 hierher verlegt wurde. Formal dienten diese Hubschrauber der Bundeswehr natürlich in erster Linie militärischen Zwecken, in der Praxis hatten sie jedoch noch ganz andere Funktionen: 1956 war die Bundesrepublik Deutschland der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation, einer Unterorganisation der Vereinten Nationen, beigetreten und hatte im Zuge dessen die Verpflichtung übernommen, einen Such- und Rettungsdienst, in englischer Abkürzung: SAR, über der Bundesrepublik Deutschland einzurichten. Daraus ergab sich schließlich der Ansatz, Militärhubschrauber im SAR-Dienst im Notfall auch für den zivilen Rettungsdienst bereitzustellen.
Da die zivile Luftrettung in den 1970er Jahren erst in den absoluten Kinderschuhen steckte, wurde sie faktisch über viele Jahre hinweg von den Piloten und Einsatzkräften der Bundeswehr absolviert. Und selbst als das zivile Luftretter-Netz über Deutschland immer flächendeckender und dichter wurde, griff man bei schwierigen Wetterverhältnissen oder diffizilen Einsätzen immer wieder gerne auf die bewährten Kräfte der SAR zurück.
Die beiden Hubschrauber hier auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes Ahlhorn, die Bell UH-1D und ihre Vorgängerin, die Bristol 171 „Sycamore“, stehen daher auch stellvertretend für die Anfangsjahre der Luftrettung in Deutschland.