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„O, da hat ja jemand unseren Brunnen zugesperrt. Das gibt´s doch gar nicht! Nee, nich mit uns! Jan, hol die Axt!“
In Uelsen lebten die Menschen noch bis weit ins 20. Jhd. hinein, wie sie von alters her immer gelebt hatten. Erst in der Zeit der Weimarer Republik, die deutschlandweit immens viel für den Ausbau der Infrastruktur geleistet hat, hielt die Moderne Einzug. Seit 1921 gab es endlich Strom in Uelsen – eine unglaubliche Errungenschaft!
Was aber noch immer fehlte, war fließend Wasser. Die Uelser versorgten sich nach wie vor über diverse Brunnen mit Frischwasser, wie es die Altvorderen schon getan hatten. Allerdings hatte man sich nie große Gedanken um wasserwirtschaftliche Aspekte gemacht. Kloaken waren nicht sonderlich gesichert und die Äcker wurden ganz selbstverständlich mit Jauche gedüngt, ob dabei über die Jahre Sickerstoffe ins Grundwasser gelangten, interessierte nie wirklich irgendjemanden.
1924 wurde die Qualität des Brunnenwassers überprüft, was dazu führte, dass die Polizei die Brunnen des Dorfes mit öffnungssichereren Deckeln versah. Da die Bevölkerung jedoch von diesem Wasser abhängig war, kam es zu einer regelrechten „Wasserrevolte“ und die Deckel wurden mit der Axt zertrümmert. Eine Gesundheitskommission, der auch der Kreisarzt angehörte, gaben die Brunnen schließlich als Notbehelf wieder frei, allerdings wohl eher auf Druck der Verhältnisse als aus Überzeugung. Denn wenig später erhielt Uelsen hohen Besuch: Eine Regierungsabordnung inspizierte die örtlichen Verhältnisse und schlug den Bau einer Wasserleitung vor, die Frischwasser von den Hügeln ins talgelegene Uelsen bringen sollte. Das Kulturamt in Osnabrück versprach die Hälfte der Kosten zu tragen und stellte günstige Kredite für die andere Hälfte in Aussicht. Dennoch blieb ein ganz schöner Batzen für das ländlich geprägte Uelsen über, sodass viele Einheimische skeptisch blieben. Bislang waren sie ja auch ohne Wasserleitung ausgekommen.
Das Kulturamt blieb jedoch hartnäckig und ging in der Planung so weit voran, dass der einheimische Magistrat schließlich nicht mehr „Nein“ sagen konnte. Auch organisierte es den Einsatz von Arbeitslosen aus Ostfriesland, deren Bezahlung von Amts wegen erfolgte, um die Kosten für die Gemeinde Uelsen nochmals zu reduzieren. Dennoch zogen sich die Verhandlungen bis ins Jahr 1928. Dann aber ging endlich es los!
Es wurde ein zentral gelegenes Sammelbecken für das Wasser aus vier Quellen geplant, die in den Hügeln im Süden Uelsens entspringen. Das Becken wurde auf dem Grund des Hofes Blekker errichtet, der dafür im Tausch das Land einer Gemeindewiese erhielt. Wegen schwieriger Bodenverhältnisse zogen sich die Bauarbeiten noch bis ins Jahr 1929. Dazu kam, dass kaum ein Privathaushalt einen Keller hatte, und daher die Hausanschlüsse besonders aufwändig waren.
Im Jahre 1931 waren jedoch alle Hindernisse überwunden und ganz Uelsen hatte endlich fließend Wasser!

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