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Geteilte Heimat

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Die Besenthaler hatten noch mal Glück! Ihr Dorf lag drei Kilometer von der DDR-Grenze entfernt. Im Westen. Zwar befanden sie sich nach 1945 plötzlich in einer Randlage. Ihr Bewegungsradius in Richtung Osten war gekappt. Doch immerhin blieben ihr Dorf und ihre Gemeinschaft ganz.

Orte direkt auf der Grenze wurden zerschnitten. Familien, Freunde und Kollegen auseinander gerissen. Damit nicht genug: Im Osten erklärte man einen fünf Kilometer breiten Grenzstreifen zur Sperrzone. Allein 1952 wurden auf Befehl der Stasi rund 10.000 Menschen aus diesen Gebieten zwangsevakuiert. Deckname der Aktion: „Ungeziefer“. Oft wurden ihre Dörfer und Höfe danach eingerissen und planiert. Geschliffen, wie es im DDR-Jargon hieß. Auf Nimmerwiedersehen, Heimat! Lankow war eines der Dörfer hier in der Region. Auch Lankow wurde geschiffen. Heute erinnert ein Gedenkstein an das ehemalige Dorf.

Andere Dörfer in der Sperrzone blieben zwar erhalten, doch unter irrwitzigen Bedingungen. Beispiel: Rüterberg an der Elbe. Die Elbmitte war die offizielle Grenze. Zusätzlich wurde ein Zaun am Fluss entlang und rund um Rüterberg errichtet. Nur durch ein bewachtes Tor konnten die Bewohner nach Vorlage eines Passierscheins raus oder rein. Nachts war das Tor dicht. Und Besuch war verboten. Heute ist Rüterbergs Elblage wieder ein Privileg. Und die Besenthaler? Sind wieder mittendrin im Land, statt am Rand.

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