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Was auf den ersten Blick so idyllisch und naturnah wirkt, ist in Wirklichkeit das Ergebnis eines massiven menschlichen Eingriffs in die Landschaft. Die "Northeimer Seenplatte" mit mehr als einem Dutzend Seen ist nämlich durch Kiesabbau entstanden, d.h. sie alle verdanken sich im Grunde einer Vielzahl fleißiger Bagger.
Schon Mitte des 19. Jhds. wurde hier Material für den Bahndamm der Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen entnommen. Aber das war erst der bescheidene Anfang. Ab den 1950er Jahren benötigte man aufgrund immer reger werdender Bautätigkeit zunehmend Kies und Sand, so dass der hiesige Abbau intensiviert wurde. Da man dabei weitgehend unkontrolliert und planlos vorging, entstand daraus bald eine großflächige und öde Kraterlandschaft. Dem wollte der Northeimer Bürgermeister Professor Hedergott nicht tatenlos zusehen. Auf seine Initiative hin wurden ab 1958 Planungen angestoßen, den Kiesabbau einerseits zu ordnen und andererseits die ausgebaggerten Seen einer Nachnutzung im Bereich Erholung und Natur zuzuführen.
Mittlerweile sind die Ideen Hedergotts weitgehend verwirklicht. Die meisten Seen wurden weitmöglichst renaturiert und haben mittels Ufergestaltung und Bepflanzung sogar ihren künstlichen Charakter verloren. Damit war die Grundlage dafür geschaffen, die Seenplatte im Sinne des Northeimer Kultur- und Freizeitlebens umzugestalten. Eine Infrastruktur für den Wasser- und Angelsport ist mittlerweile ebenso vorhanden wie eine Badestelle mit Liegewiese.
Was aber am überzeugendsten den Wandel verkörpert, ist das einzigartige "Wasservogelreservat Northeimer Seenplatte". Die Seen dieses Reservats bieten einen geschützten Rückzugsbereich für eine Tier- und Pflanzenwelt, die es in dieser Form immer seltener gibt, da ihnen zunehmend der entsprechende Lebensraum fehlt.
Die Northeimer Kiesseen und der Leinepolder sind längst überregional bekannt, nicht nur wegen ihrer artenreichen Brutvogelwelt, sondern auch wegen der Zugvögel, die hier jedes Frühjahr und jeden Herbst in großer Zahl rasten. Unser Aussichtspunkt gestattet einen Einblick in einen besonders interessanten Teil des Naturschutzgebietes. Zusammen mit See Nr. 4 oder dem „Kleinen Vogelsee“ auf der anderen Seite des Weißen Budenwegs bildet der vor Ihnen liegende See Nr. 3 oder „Große Vogelsee“ den südlichsten Teil des Europäischen Vogelschutzgebietes „Leinetal bei Salzderhelden“. Von der Beobachtungswand aus, können Sie vollkommen störungsfrei Anteil an dem faszinierenden Artenreichtum der Northeimer Seenplatte nehmen. Haubentaucher, Reiherenten und Blässhühner sind hier beispielsweise das ganze Jahr über anzutreffen. Im Winter sind u.a. Schellenten, Zwerg- und Gänsesäger zu beobachten. Einer der markantesten Brutvögel ist der Eisvogel. Auch Beutelmeisen brüten hier, so wie auch alljährlich mehrere Nachtigallen. Mit etwas Glück können Sie sogar den Fischadler beobachten, wie er über dem See kreist und fast senkrecht herabstößt, wenn er seine Beute gesichtet hat. So etwas bekommt man in natura ansonsten kaum noch zu sehen – bei uns schon!
Mehr Informationen erhalten Sie unter: www.naturerlebnis-leinepolder.de.

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