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Wenn Sie den Begriff „Barock“ hören, wird Ihnen sicherlich sofort einiges dazu einfallen: Barockkirchen, Barockschlösser, die Musik im Stile des Barock, man denke an Händel oder Bach. Dem Barock ist immer eine gewisse Verspieltheit zu eigen, die ohne jede Scham auf Außenwirkung angelegt ist. Grobheit oder fantasielose Schlichtheit ist ihm dagegen zuwider. In diesem Sinne ist er auch Ausdruck von Kultur und gesteigerter Lebensfreude.

Gut, in Otterndorf findet sich weder die Pracht einer Kirche wie Vierzehnheiligen noch die eines Schlosses wie Versailles. Und trotzdem verkörpern sich in dem schönen Barockhaus hier an der Ecke Cuxhavener Str.- Johann-Heinrich-Voß-Str. alle Tugenden dieses Zeitalters, das sich in der Kunst seiner selbst freute. Sehen Sie sich nur einmal die verspielten Giebel und Fenster an!

Darüber hinaus ist dieses Haus eines der ältesten Gebäude in Otterndorf. Bei der Begutachtung des Baumaterials stieß man auf Backsteine im sogenannten Klosterformat, wie sie im 16 Jhd. gebräuchlich waren. Die heutige Ansicht, insbesondere die der Front, ist jedoch um einiges Jünger.

In herzoglich-lauenburgischer Zeit wohnte in diesem Haus der Gräfe des Landes Hadeln, in gewisser Weise der herzogliche Statthalter für dieses Gebiet, das recht abseits der herzoglichen Stammlande lag. Nach dem Aussterben der lauenburgischen Herzogsdynastie ging das Land Hadeln nach einer Übergangszeit im Jahre 1731 an das Kurfürstentum Hannover. Seitdem nannten sich die wichtigen Staatsdiener, die in diesem Haus residierten, „Gerichtsdirektoren“. Ihnen unterstand die hiesige Rechtsprechung und zu einem Teil auch die örtliche Verwaltung.

1769 tauschte die Königlich und Kurfürstliche Kammer in Hannover das Barockhaus gegen das Kaufmannshaus von Marcus Hinrich Schröder, das heute als Landratsamt bezeichnet wird. Seit dieser Zeit wird das Haus privat genutzt. Vor einigen Jahren ist es liebevoll restauriert worden und bildet seitdem im ohnehin schon schmucken Ortsbild von Otterndorf eine Perle von besonderer Schönheit, die man fast geneigt ist, „barock“ zu nennen.

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