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Ach ja, was würden wir nur ohne den Armenpfahl tun? Manchmal ist er unsere letzte Hoffnung. Mein armer Ehemann, Theodor, ist auf seiner Reise in Holland an Fieber gestorben. Er ist schon vor einem Monat gestorben, aber der Brief über seinen Tod hat uns erst jetzt erreicht. Nun sind unsere sieben Kinder und ich ganz auf uns allein gestellt und total verzweifelt. Ich bin jetzt eine bitterarme Witwe, was soll bloß aus uns werden? Mein armer Theo, wie konntest du uns nur im Stich lassen?
Zum Glück gibt es die Armenkasse, in die fromme und gutmütige Tödden Spenden einwerfen können für Familien, denen es nicht so gut geht. Ich bin ja nicht die einzige Witwe im Dorf, viele Männer schaffen es nie wieder zurück nach Hause. Gott segne deswegen die wohlhabenden Kaufleute, denn sie spenden sehr fleißig. Die Armenpfähle stehen an wichtigen Handelswegen wie hier am Tüöttenweg von Bockraden nach Mettingen.
Auch bei Kirchenangelegenheiten sind die Tödden sehr großzügig. Wenn etwas fehlt, eine Heiligenfigur oder ein teurer Silberkelch, dann spricht der Pfarrer mit den Kaufleuten, die dieses Jahr besonders erfolgreich waren. Er wird oft mit einer großzügigen Spende bedacht.
Ich hoffe, dass mein Sohn eines Tages das Glück haben wird, von den Kaufleuten mitgenommen zu werden. Dann kann er sich in der Kaufmannschaft langsam emporarbeiten und später, wenn er fleißig ist, selber in eine Töddenkompanie einsteigen.

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