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Foto DAV / Jens Klatt

Die Alte Prager Hütte – Zeugin einer bewegten Vergangenheit!

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Da oben liegt sie endlich, die Alte Prager Hütte. Ich bin ehrlich froh, wenn ich endlich da bin. Das letzte Stück ist mir jetzt doch ganz schön lang geworden, die Füße machen mir langsam zu schaffen. Außerdem zieht sich der Himmel zu. Hoffentlich erreiche ich die Hütte noch rechtzeitig, bevor es anfängt zu gießen!
Bergwanderungen sind etwas Herrliches! Aber stellen Sie sich einmal vor, all die kleinen und großen technischen und nichttechnischen Helfer bei ihrer Bergtour gäbe es einfach nicht, und letztlich auch keine Berghütten. Dann würde aus dem Sport oder auch dem Urlaub schnell eine handfeste Survival-Tour. Und wollen wir doch einmal ehrlich sein: Das möchte ernstlich kaum jemand.
Als die frühen Alpinisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hier in den Hohen Tauern unterwegs waren, war das noch ein echtes Abenteuer, oft genug auf Leben und Tod. Den Alpinisten war jedoch klar, dass das keinesfalls so bleiben sollte. Eine wichtige Erleichterung für Bergwanderungen stellte natürlich ein verlässliches Dach über dem Kopf dar. Daher ging der 1869 gegründete Deutsche Alpenverein schon bald daran, erste Hütten zu errichten und zu betreiben. Eine der ersten ihrer Art war die Alte Prager Hütte; übrigens „Prager“ Hütte, weil die Prager Sektion des Deutschen Alpenvereins unter ihrem Vorsitzenden Johann Stüdl für die Errichtung verantwortlich war. Stellen Sie sich einmal vor, was die Errichtung einer solchen Hütte im Hochgebirge bedeutete. Jedes einzelne Stück an Baumaterial musste mühsamst hierhergeschafft werden, bauen konnte man nur in den Sommermonaten, wenn das Wetter es hergab. 1872 war die Hütte schließlich fertig und konnte in den Dienst gestellt werden. Wegen der besseren Aussicht auf den Gletscher war die Hütte allerdings nicht am geplanten, geschützteren Standort errichtet worden. Dies rächte sich bald, denn schon vier Jahre später zeigten die Unbilden der Natur, wie stark sie waren: Eine Lawine zerstörte die Hütte unrettbar. Durch den Schaden klüger geworden baute man sie nur ein Jahr später an der ursprünglich vorgesehenen Stelle, nämlich auf ihrem jetzigen Platz, wieder auf. Wiederum alles an Material die Berge hinauf und hoffen, dass das Wetter mitspielt. Aber das Stück gelang! Noch im selben Jahr, 1877, gab es am Fuß des Großvenediger wieder eine Prager Hütte. Über 140 Jahre lang bis 2009 erfüllte sie getreulich ihren Dienst. Dann stellte man den Hüttenbetrieb ein. Unterbringung und Möglichkeiten waren nicht mehr zeitgemäß. Außerdem konnte die Neue Prager Hütte – auch bereits um 1904 errichtet - ein Stück bergauf ihren Ausfall gut kompensieren.
Die Alte Prager Hütte ist jedoch eine echte Kronzeugin für die sich seit über 150 Jahren entwickelnde Erschließung des alpinen Hochgebirges. Und als solche hält man sie natürlich in allen Ehren. Sie steht unter Denkmalschutz, ist inzwischen restauriert und in ihren ursprünglichen baulichen Zustand zurückversetzt.
Zum Übernachten gehen Sie heute lieber in die Neue Prager Hütte, aber um einen Blick in die Vergangenheit zu erhaschen und zu erahnen, was es vor über 100 Jahren bedeutete, Gast auf einer Berghütte zu sein, davon bekommt man bei einem Besuch der Alten Prager Hütte einen sehr lebhaften Eindruck.

Die Prager Hütte und der Nationalpark Hohe Tauern

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Aaa! Ist das nicht ein herrliches Panorama? Da kann man sich gar nicht sattsehen! Na, klar, wenn Sie mir sagen, dass doch eigentlich der Weg ist das Ziel, dann kann ich Ihnen nur Recht geben. Es gibt doch nichts Schöneres als in einer so freien und großartigen Natur unterwegs zu sein. Aber so ein Ausblick, das ist noch einmal das Sahnehäubchen obendrauf! Und ich kann Ihnen sagen, dass gerade hier im Nationalpark Hohe Tauern so einige dieser Panoramen auf Sie warten, ist er doch einer der größten Schutzgebiete in ganz Mitteleuropa! Zu allen Seiten des Großvenedigers breitet sich die Venedigergruppe aus, alpines Hochgebirge, wie man es sich nur wünschen kann und bestens geeignet zum Bergsteigen, Bergwandern, Skiwandern, alles, was das Herz begehrt, je nach Jahreszeit.
Dabei gibt es hier noch viel mehr zu entdecken: Etwas weiter unterhalb von hier da liegt das Gschlösstal mit seinen Almwiesen. Wenn man es Richtung Großvenediger hin durchwandert und nimmt man dann den Gletscherweg Innergschlöss, kann man einen Blick auf das Auge Gottes werfen, wirklich wahr! So nennt man nämlich einen urtümlichen Moorteich, der tatsächlich so aussieht, als sei er ein großes grünes Auge. Weiter führt der Weg zum Schlatenkees und seiner grandiosen Gletscherlandschaft. Und spätestens an dieser Stelle wird einem bewusst, dass zwei Dinge ganz eng miteinander verflochten sind: Einerseits die Freude an dieser Landschaft und an dieser großartigen Natur und andererseits die Sorge um ihren Erhalt. Denn aufgrund des Klimawandels schmelzen die Gletscher in unseren schönen Alpen, und zwar immer schneller!
Genau diese beiden Elemente, Freude an der Natur und ihr Schutz, haben unsere Alpenvereine seit vielen Jahren fest im Blick. Sie setzen sich seit Langem dafür ein, dass der Besuch in dieser wunderschönen Landschaft keinen Schaden anrichtet. Nachhaltiger Tourismus, das ist bei uns ein ganz großes und wichtiges Thema!
Übrigens sind die Alpenvereine in den Hohen Tauern schon seit über 150 Jahren aktiv. Glauben Sie nicht? Dann drehen Sie sich einmal um, Sie stehen nämlich an der Alten Prager Hütte, einer der ältesten Hütten des Vereins überhaupt. Sie können hier zwar nicht mehr für die Nacht unterkommen, aber Sie gewinnen einen Einblick in die rustikale und urgemütliche Art, wie diese Hütten früher bestückt waren. Ihr Inneres lässt einen zurück ins Jahr 1877 reisen. Und stellen Sie sich vor: Trotz ihrer Kompaktheit bot sie Platz für 45 Personen!
Wandern Sie nun noch ein Stück weiter bergauf, dann erreichen Sie die Neue Prager Hütte. Und da nehmen Sie die Wirtsleute auch herzlich gerne für die Nacht in Empfang. Aber bevor Sie die Tür der Hütte hinter sich schließen, schauen Sie sich doch bitte noch einmal um: Aaa! Ist das nicht ein herrliches Panorama?

Johann Stüdl und die Prager Sektion des Alpenvereins

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Meine sehr verehrten Damen und Herren, lassen Sie ihn uns gemeinsam hochleben: Johann Stüdl, er lebe hoch! Hoch! Hoch!
Die 2. Hälfte des 19. Jhds. war in Deutschland eine unruhige Zeit. Überall blühten Industrien auf, die Eisenbahn hielt flächendeckend Einzug, aus überschaubaren Ortschaften wurden urplötzlich Städte. Das alles ging vielen Leuten einfach viel zu schnell. Daher kam es gleichzeitig zu einer Gegenbewegung und man begann sich für die Schönheit und die Ruhe der Natur zu begeistern. In Böhmen, Österreich und Süddeutschland bedeutete das insbesondere, den Blick auf die Berge zu richten: je höher, wilder und rauer, desto schöner. Johann Stüdl, Kaufmannssohn aus Prag war fasziniert von diesem neuen Naturerleben, und er war fasziniert von den Alpen. Noch vor jeder touristischen Erschließung wanderte er zusammen mit seinem Bruder Franz in den Hohen Tauern, lernte ihre unwiderstehliche Schönheit kennen und dachte darüber nach, wie man Gesinnungsgenossen eine Wanderung in dieser Landschaft ermöglichen könnte. Das Vordringlichste erschien ihm dabei ein verlässliches Dach über dem Kopf, das der Wanderer aufsuchen konnte, sobald er es benötigte. Daher investierte er schon Ende der 1860er aus eigenem Anstoß und eigener Tasche in einige erste Berghütten rund um den Großvenediger und den Großglockner. Damit aber nicht genug. Er kannte eine ganze Menge Leute, die seine Begeisterung teilten, und mit diesen zusammen hob er im Mai 1869 in München die erste Sektion des Deutschen Alpenvereins aus der Taufe. Der Verein war als Dachverband eigenständiger regionaler Sektionen gedacht, gemäß den damaligen politischen Zuständen, da es noch gar keinen einheitlichen deutschen Nationalstaat gab. Stüdl selbst gründete nur wenig später die Prager Sektion, der er über ganze 5 Jahrzehnte hinweg vorsaß.
Die Hohen Tauern blieben jedoch weiterhin der Fokus seiner Sehnsucht. Noch im selben Jahr gründete sich auf seinen Anstoß hin in Kals am Großglockner der erste Bergführerverein. Außerdem richtete sich sein Blick noch immer auf die Erschließung möglicher Bergrouten sowie die Schaffung entsprechender Unterbringungsmöglichkeiten. 1872 ließ Stüdl zu Füßen des Großvenediger eine Hütte bauen, die nach seiner heimischen Vereinssektion „Prager Hütte“ genannt wurde. Ebenso geht auch die Clarahütte im Umbaltal auf ihn zurück. Benannt ist sie nach der Frau von Stüdls Weinhändler in Prag, der als Finanzier der Hütte einsprang. Doch nicht nur in der Venedigergruppe war Stüdl aktiv, er initiierte und finanzierte auch den Bau mehrerer weiterer Schutzhütten darunter die Stüdlhütte und Glorerhütte am Großglockner und die Payerhütte am Ortler.
Wenn Sie heute in den Bergen unterwegs sind und sich in entspannter Freude ihrem Erleben hingeben können, dann ist das möglich, weil Sie sich darauf verlassen können, dass bereits lange vor Ihnen sich jemand um Ihre Wegstrecke und Ihre Sicherheit Gedanken gemacht hat. Die Alpenvereine in Deutschland, Österreich und Südtirol sind es, die dieses Erbe pflegen.

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