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Discimus linguam Latinam: amo, amas, amat, amamus, amatis, amant…

Die Sprache der alten Römer, das Lateinische, war für den Westen Europas über viele Jahrhunderte ein verbindendes Element. Geistliche und Gelehrte aller Art bedienten sich für ihre Zwecke ausnahmslos der lateinischen Sprache. Das hatte zur Folge, dass Westeuropa ein einheitlicher kultureller Sprachraum blieb. Ein Gelehrter z. B. aus Norwegen konnte sich mühelos mit einem Kollegen aus Frankreich oder Italien verständigen, Urkunden, die in Hamburg oder Bremen ausgestellt wurden, waren auch in Paris oder Rom lesbar – und umgekehrt. Dadurch war die lateinische Sprache gewissermaßen, ähnlich dem Lesen und Schreiben, eine Kulturtechnik, eine Grundvoraussetzung für alle weitere, tiefergehende Bildung.
Für das Jahr 1445 ist in Otterdorf durch eine römische Urkunde eine Lateinschule nachgewiesen, das heißt, sie wird noch um einige Jahre älter sein. Das passt ganz gut zu einem anderen Datum der Stadtgeschichte, nämlich dem Jahr 1400, in dem Otterndorf die Stadtrechte erhielt. D.h. im 15. Jhd. ging es den Otterndorfern richtig gut, sogar so gut, dass sie sich eine Lateinschule leisten konnten, die ihren Wohlstand bis in die nächsten Generationen weitertragen würde, denn dadurch ergab sich für die Söhne der Stadt, zumindest für die, die es sich leisten konnten, die Möglichkeit, später sogar auf einer Universität zu studieren.
Das großzügige Fachwerkhaus, in dem bis 1891 die Lateinschule untergebracht war, stammt aus dem Jahr 1614, zumindest der untere Teil. Das obere Stockwerk wurde 1826 aufgesetzt, als der Bau für die Bedürfnisse der Schule zu klein geworden war. Es heißt, diese Art der Erweiterung sei wohl der Idee geschuldet, Kosten einzusparen, da man dadurch eine zusätzliche Grundsteuer vermied.
Ein ausgesprochen bedeutender Kopf ist von 1778-1782 Rektor dieser Lateinschule gewesen. Johann Heinrich Voß ist bis heute insbesondere berühmt für seine Übersetzungen der altgriechischen Epen, der Ilias und der Odyssee, die er in eine deutsche Versform übertrug. Vier Jahre hat er hier gewirkt, dann trieb es ihn weiter. Vergessen hat man ihn in Otterndorf jedoch nie. So ehrt man ihn hier u.a. mit einem Museum in seinem ehemaligen Wohnhaus, das in der Straße liegt, die nach ihm benannt ist.

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